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Prunk- und Fremdensitzung der Karnevalsgesellschaft „Mudemer Wassersucher“

Mudau. „Jubel, Trubel, Heiterkeit, des gibt’s nur zur Faschnachtszeit“, - nicht nur, zumindest nicht in Mudau, aber im Großen und Ganzen hatte Sitzungspräsident Erich Maier mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen.

Gute Laune mit Schunkeln, Gesang, La Olas und verdientem Beifall zu einem Spitzenprogramm zeichneten den Abend aus. Zu verdanken war die grandiose närrische Stimmung – schon im Vorfeld - der großen Prunk- und Fremdensitzung der Karnevalsgesellschaft „Mudemer Wassersucher“ maßgeblich der heimischen Sitzungskapelle, auch als Trachtenkapelle Mudau bekannt, unter Dirigent Ralph Müller. Es wäre aber auch denkbar, dass das närrische Treiben in Mudau schon genetisch bedingt ist. Auf jeden Fall zollte das Narrenvolk den einziehenden Garden mit Wassersucher Nobi (Norbert Münch), Prinzenpaar, Wassersucherrat und Gastabordnungen den gebührenden Respekt. Und auf keinen Fall traf das Jahresmotto „Krabbenaacht im Oort“ auf das Stimmungsbarometer im Mudemer Narrentempel zu, der wie der Orden selbst in Schwarz und Rot glänzte, dessen Outfit jedoch durch unzählige lustige Krabben – zu deutsch Raben - an den Wänden bereichert worden war. Erfreut und mit gewohnt „großer Klappe“ begrüßte Sitzungspräsident Erich Maier die ausgelassene Narrenschar vor und auf der Bühne, darunter Abordnungen aus Amorbach, Tauberbischofsheim, Hettingen, Limbach, Donebach und Walldürn, und schon bei diesem verbalen Schlagabtausch blieb kein Auge trocken. Doch dem setzten das Prinzenpaar, Ihre Lieblichkeit Prinzessin Simone I. und seine Tollität Prinz Patrick I. (Fischer) locker noch eins drauf. Sie haben sich nachweislich gut vorbereitet auf ihre dreiwöchige Regentschaft. Und zu dieser Vorbereitung gehörte nach Meinung von E-Maier z. B. die Eheschließung. „Aus Erfahrung können wir bestätigen, dass es besser ist, als Prinzenpaar bereits verheiratet zu sein“. Kein Wunder, dass es dem Prinzen noch etwas schwindlig ist, denn „ich hab um sechse noch nicht gewusst, dass ich um siebene heirate“. Doch wer gewohnt ist, in luftiger Höhe zu arbeiten, den haut so schnell nichts um, vor allem nicht bei so welterfahrener und liebevoller Unterstützung, wie es ihm seine Simone ist. Diese hatte bereits vor 33 Jahren als Kinderprinzessin in Mudau reichlich Erfahrung mit der Fastnachts-Monarchie gemacht. So zogen sie unter anderem die Sparmaßnahmen der Gemeinde durch den Kakao und schmettern das „Mudi, hajo“ dermaßen enthusiastisch in den Saal, dass das Echo nicht auf sich warten ließ. Zu den Sparmaßnahmen der KaGeMuWa erläuterte Sitzungspräsident Maier, dass man das Geld für die Hälfte der sonst üblichen Gastgeschenke den Flutopfern in Sri Lanka zukommen lassen wolle. „Vor 33 Jahren hat er bereits für Geld in der Kasse der KaGeMuWa gesorgt, indem er den damaligen Beitrag von einem Pfennig pro Tag um 37 Prozent auf fünf D-Mark erhöhte“, und dieser Jemand wusste schon damals, dass er mal Bürgermeister in Mudau werden wolle. Das war wohl das Stichwort für den damaligen Kinderelferrat Norbert Rippberger, zur Schlüsselübergabe anzutreten. Die Uniform von damals war ihm zwar unübersehbar zu klein geworden, am Geldeintreiben und Sparen arbeitet er aber noch immer. Doch für drei Wochen überließ er dem Prinzenpaar gerne den „Platz an der Sonne“, der zahlreiche Gewitter beinhaltet. Den Rathausschlüssel übergab er Prinz Patrick I., eine Amtskette, die im Dunkeln leuchtet, erhielt Prinzessin Simone I. Da dies den Faschnachtern gegen das „Krabbenaacht im Oort“ zu wenig war, überreichten sie ihm eine Laterne mit der Maßgabe, den Gästen nach der Veranstaltung Heim zu leuchten. Doch zunächst leuchtete erst mal für fast fünf Stunden das Rampenlicht und den Auftakt dazu gestaltete das jüngste aktive Mitglied, das die Wassersucher jemals hatten. Als erstes Tanzmariechen in der Geschichte der Mudauer Karnevalsgesellschaft wirbelte die achtjährige Melissa Schell temperamentvoll über die Bühne. Wie ein „alter Hase“ schwang sie die Beine, sprang ins Spagat und kokettierte mit ihrem Publikum und sie löste mit ihrem Tanz, den sie in acht Wochen unter Trainerin Maria Bangert und betreut durch Mutter Sonja einstudiert hatte, wahre Begeisterungsstürme bis hin zu Standing Ovations aus. Ähnliche Begeisterung, wenn auch eher Zwerchfell lastig, empfing Harald „Boli“ Grimm als Motto-Glossierer. Er erläuterte, dass das Drama „Krabbenaacht im Oort“ anno 2004 mit dem neuen Bürgermeister aus Berlin – wo es sowieso Krabbenaacht sei – angefangen habe. Dabei finde man „Krabbenaacht“ noch nicht einmal im Lexikon. Positiv sei dabei allerdings, dass nun das Gemeindeoberhaupt auch die Verantwortung übernehmen müsse, wenn man in der Kneipe bei Bier auszuharren hat, bis es morgens wieder hell wird. Natürlich erzählte der „Boli“ nicht nur Märchen, sondern auch einiges Überlegenswertes. Dafür ging es dann mit der Mudauer Minigarde „märchenhaft“ weiter. In ihrem Schautanz trafen sich Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Scheewittchen und ihre Zwerge mit Frau Holle und natürlich dem Märchenprinzen. Und Grimm’s Gestalten hatten wirklich Temperament in den Beinen und das demonstrierten sie gekonnt. Da die Dichtkunst in Mudau im vergangenen Jahr hoch im Kurs gestanden hatte, hatte sich Dichterfürst Uwe Lenz angekündigt, der vom Mudemer Gerald Hemberger erst einmal die örtlichen Dialekte lernen musste. Man kam gemeinsam zu dem Schluß, dass die Erleuchtung in Mudau zwar jeden Abend um elf Uhr endet, in Sachen Pisa, TV-Programm, Bush aber gar nicht vorhanden sei. Auffällig war für die beiden auch der Anstieg weiblicher Führungsrollen in örtlichen Vereinen und geradezu visionär erschien ihnen Mudau als das „St. Moritz im Odenwald“. Auf ihrer Abschiedtournee als Tanzmariechen präsentierte sich Kristina Stockmeister aus Tauberbischofsheim einmal nicht in Uniform, sondern im flotten Sambakostüm. Doch in gewohnter Grazie und Beweglichkeit. Schließlich hatte sie sich in ihrer Tanz-Karriere nicht umsonst neunmal für die Süddeutschen Meisterschaften qualifiziert. „Die kommunale Finanzkrise wirkt sich wohl auf die Frisur des Amtleiters aus“, gab „Hannemann“ Jan Breunig bei „Bürgermeister“ Philipp Knapp zu bedenken. Aber schließlich sei man halt „knapp bei Kasse“. Humorvoll und bei ausreichend Schnaps glossierten die beiden das Ortsgeschehen und schließlich gaben sie als Unterschied zwischen Römern und Schloßauern bekannt, dass die Römer das Blech um die Körpermitte getragen haben, die Schloßauer hätten es weiter oben. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 beschäftigte die Gemischte Schautanzgruppe der KaGeMuWa in ihrem Auftritt. „We will rock you“ brachte zum Ausdruck, dass wenn die Deutsche Elf dann auch nur halb so viel Schwung und Begeisterung in sich hat wie die Mudauer, eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Ein mobiles Wartehäuschen hatten die „Nachtkrabben“ Ralf Lorenz, Mario Gaibler, Jürgen Kieser, André Mechler, Richard Neubrand, Marco Scheiwein, Reiner Ohmert und Ralf Späth für Dr. Rippbergers Tourismus-Bus kreiert. „Man weiß ja nie, wo der Bus hält“. Obwohl sie bemängelten, dass in dem „sachdunkle Kaff noch net emol de Nikolaus die Kamine für die Geschenke findet“, gaben sie der „Sparbüchs“ Dr. Norbert noch einige Einspartips, die dieser Dank des „Wackel-Dackel-Syndroms“ seines Gemeinderats sicher durchkriegen könne. Dschugel-Feeling kam auf beim Schautanz des TSC-Walldürn „Exoten im tropischen Regenwald“. Die Tierwelt erwachte beim Sonnenaufgang und brillierte schließlich mit einem temperamentvollen Tanzgewitter. Gewohnt souverän gab Jürgen Esser als „Till von Franken“ aus Grünstadt seine Unverständnis zu zahlreichen Modeerscheinungen und Ungerechtigkeiten kund. Und als wahre Augenweide entpuppte sich der zackige Gardetanz der Mudauer Prinzengarde. Diese Erholung war auch nötig, denn der „Hettemer Stroßemusikant“ Ingo Raab, beanspruchte mit seinem außergewöhnlichen Insiderwissen über Mudemer Histörchen nicht nur enorm das Zwerchfell des Narrenvolkes, sondern brachte selbiges auch ganz schön zum Staunen. Perfektes Timing für die Wassersuchergarde, die mit ihrem Schautanz „India“ für Ruhe und Gelassenheit dank eleganter Tempeltänzerinnen sorgte, die aber ganz schön Pfeffer entwickelten im Verlauf ihrer Darbietung. Alles in allem ein gut durchwachsenes und kurzweiliges Programm, welches vor allem überwiegend von heimischen Talenten bestritten worden war.
(L.M.)