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Herbstprogramm: Schnapsbrennerei

Mudau. In das Geheimnis der Schnapsbrennerei weihte im Rahmen des Mudauer Herbstprogramms Angelo Di Lenarda unzählige interessierte Bürger ein.

Als er am vergangenen Sonntag den Sudkessel zum ersten Schaubrand anheizte war er wohl selbst überrascht über die große Resonanz der Ankündigung, dass die Mudauer Traditionsbrennerei „Zur Rose“ mit den vielprämierten Bränden der Familie Link-Di Lenarda sich über die Schulter schauen lässt. So erläuterte und demonstrierte Angelo Di Lenarda zunächst mit großer Begeisterung, wie Obst eingemaischt wird. Auch welche echte Gefahren bezüglich freiwerdender Gase in einem Keller voll Maischefässern herrschen können. Schon aus diesem Grund hatte er die Demonstration in einen separaten Schuppen verlegt. Weiter erfuhren die interessierten Gäste, dass der Gärprozess der Maische je nach Obstqualität und Witterung zwischen sechs und acht Wochen dauern kann, wobei die Temperatur im Idealfall zwischen 10 und 15 Grad Celsius liegen sollte. Ist der Gärprozess gefährdet, weil das Obst zu wenig Sonne abbekommen hat, do darf der Fachmann nach komplizierten Messungen mit Schwefelsäure und Hefe nachhelfen. Der Könner wird von beidem nur das notwendige Minimum hinzufügen, um den Geschmack des fertigen Obstbrandes nicht zu verfälschen oder zu mindern. Schließlich wird die Maische oder auch der Most im Wasserbad erhitzt bis knapp 90°. Da dieser Vorgang eine ganze Weile dauert, sorgte Heinz Konte vom Hauptzollamt Karlsruhe, Zuständigkeitsbezirk Mosbach, in der Zwischenzeit für Kurzweil mit Informationen über das streng reglementierte Steuerrecht bezüglich der Schnapsbrennerei. Jeder Brand muß vom Brenner vorab mit Datum, Uhrzeit und Menge der zu brennenden Maische angemeldet werden. Unangemeldete Stichproben durch die Zollbehörde sind durchaus üblich. Nach einem Umrechnungsschlüssel wird die fertige Schnapsmenge errechnet – was allerdings grundsätzlich zugunsten des Schnapsbrenners ausfällt – und daraus wiederum die zu entrichtende Steuer. Heinz Konte nahm sich für alle auftauchenden Fragen Zeit und hatte durchaus auch Fachkompetenz bezüglich der Gerätschaften und der Qualität der Brände vorzuweisen. Nachdem der Sudkessel die gewünschte Temperatur erreicht hatte, ließ Angelo Di Lenarda den sogenannten Vorlauf ab, der im allgemeinen an bestimmte Abnehmer zur Herstellung medizinischer Alkohole weiter verkauft wird. Der gute „Mittellauf“ hat einen Durchschnittsalkoholgehalt von ca. 70 Prozent und wird in Spezialfässer mindestens zwei Jahre gereift bis er, auf übliche „Trinkprozente“ mit destilliertem Wasser verdünnt auf den Markt kommen kann. Der Nachlauf ist für den Fachmann klar kenntlich und wird für Industriezwecke wiederum von bestimmten Firmen weiter verarbeitet. „Trink als amol a Rouschewirts-Schnäpsle“ lautet ein geflügeltes Wort im Gasthaus „Rose“, und Gelegenheit zum Kosten eines bereits abgelagerten Edelbrandes bot der Gastgeber nach Beendigung des Brennvorgangs, der am Nachmittag noch eine Wiederholung fand.
(L.M.)