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Kabarett-Abend

Mudau-Schloßau. Normalerweise hat er ja recht: „Aller Anfang ist schwer“, und ganz besonders trifft das auch sicher auf den Beginn von Diäten zu. Vor allem mit dem Bumerang-Effekt „fünf Kilo nab und 8 Kilo druf“, und wenn man das eine Weile macht, „dann isch ma an ganz schene Brocke uf am Stuhl“. Aber für seinen Anfang stand das Sprichwort ganz sicher nicht. Klaus Scholl schlug bei seinem ersten Kabarett-Abend in der Schloßauer Schulturnhalle und im Rahmen des Kerwefestes der Schlossemer Musikanten ein wie eine Bombe.

Genauer gesagt eine Lachbombe, der sich keiner der unzähligen Gäste entziehen konnte. Die Lachtränen flossen in Strömen, das Zwerchfell war unfassbare zweieinhalb Stunden unter Dauerbelastung und die Stimmung grandios. Klaus Scholl hatte profimäßig „alles unter Kontrolle“. Selbst sein nerviger Nachbar, der Herr Doktor mit beidseitig linken Händen, sowie dessen Ehefrau mit dem überlangen Doppelnamen hat er durchschaut. Nicht dass er was gegen Grüne oder Vegetarier hätte, „Die Einstellung halt“. „Er ist Vegetarier und sie ist kein Fleisch“, teils seien die beiden sogar Veganer gewesen, also solche, die das Schnitzel nur deshalb nicht essen, weil es in Ei paniert ist. Bis der Arzt wegen akuter Mangelernährung eingeschritten ist. Vollkommen normal – oder ? Schließlich „wenn de Herrgott gewellt hett, dass mir Grasch fresse, dann hett er kee Säu wachsche lasse“. Und zu dem Thema hatte Scholl noch einiges zu sagen. Er selbst liebt die Tiere auch, am liebsten sind ihm die Spanferkel. Zum Thema „Jugend von heute“ bestätigte Klaus Scholl, dass 63 Prozent positiv in die Zukunft blickt. „Der Rest hat kein Geld für Drogen“, und muß sich wie so viel mit der Rechtschreibreform herumschlagen, die von Leuten eingeführt wurde, die früher selbst genug Probleme in diesem Bereich hatten. Als weiteres dankbares Thema erwies sich die EM. Nachdem Deutschland rausgeflogen war, schien es ihm egal, wer gewinnt. „“Nur nicht die Tschechen, Franzosen oder Holländer“, denn beim Fußball hört seine Intoleranz auf, und wie so manche Ferienzeit schon bewiesen habe, „gelbe Nummernschilder machen aggressiv“. Als Bundestrainer hätte er Beckenbauer vorgeschlagen, wobei die Erläuterungen in dessen Originalton unmissverständlich waren. Dem Beckenbauer gelinge einfach alles – außer seiner Familienplanung. „Wie oft isch der schon Papa wore un sei Fraa net Mama“. Doch in Sachen Bundestrainer zeigte eine heisse Diskussion zwischen Maier-Vorfelder, Klinsmann und „Lottha“, dass die Entscheidung wirklich nicht einfach war. Wer will schon solche Luschen trainieren. Die Themenvielfalt von Scholl war überwältigend. Irgendwie schaffte er den nahtlosen Übergang zur Osterweiterung, angefangen bei der Wiedervereinigung Deutschlands und der Feststellung „1988 war die Welt noch in Ordnung“. Und in Sachen Multi-Kulti-Gesellschaft half der Kabarettist seinem Publikum mit Grimms „Aschenputtel“ in der Erzählversion eines deutschen Vaters türkischer Abstammung auf die Sprünge. Aber das sei nur eine der komplizierten Fragen von heute. Es stellen sich viele weitere: Warum klebt Superkleber überall, nur nicht an der Innenseite der Flasche? Leben Verheiratete wirklich länger oder kommt es ihnen nur so vor? Warum läuft die Nase, wohingegen die Füße riechen? Und was gibt es alles für Gene? Z. B. Östrogene. Hat man die als Mann, gibt man Milch ohne Gras gefressen zu haben, blutet man ohne verletzt zu sein und redet dummes Zeug ohne gefragt zu werden. Dann das Gen, das für Eheprobleme verantwortlich ist – das Fremdgehn, und damit sei auch die Qualität der amerikanischen Wissenschaft bewiesen. Überhaupt die Einstellung der USA. Die jüngst Vergangenheit habe doch überdeutlich gemacht, das Bush – wäre er konsequent – sich selbst entthronen und sein eigenes Land platt machen müsste. Doch der sei ja so hohl, dass er niemals ex-, sonder ausschließlich implodieren würde. Das Genthema erinnere aber auch an Mooshammer und die vielen schwulen Politiker, wobei Scholl bei deren Hochzeit vor allem die Brautjunfern interessieren würden. Als besonderes Bonbon erwartete das Publikum noch die Geschichte von „Rotkäppchen“, sozialkritisch erzählt von Reich-Ranitzky. Alles in allem ein mehr als gelungener Abend und ein grandioser Auftakt zur Schlossemer Kerwe, wie Ortsvorsteher Herbert Münkel bei seinem Dank an Klaus Scholl betonte, der nicht ohne Zugabe von der Bühne abtreten durfte und wahrhaft donnernden Applaus von einem durchweg begeisterten Publikum erhielt. (L.M.)