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Kartoffelstecken mit dem Vielfachgerät in Scheidental

Scheidental. Pünktlich zu den Vorführungen des Rindenschälens und des Kartoffelsteckens zu „Oma’s Zeiten“ begannen die Regenschauer.

Doch das konnte weder die Scheidentaler noch zahlreiche Besucher davon abhalten, sich diese Demonstrationen zu Gemüte zu führen. Schließlich hatte man am Vorabend schon das Spektakel des „Vereine-Mai-Baumstellens“ mit Wappen aller örtlichen Vereine und am Morgen die rd. Neun Kilometer lange Familienwanderung rund um Scheidental genießen und feiern können. Und bei allen Veranstaltungen waren die Verantwortlichen mit Ortsvorsteher Klaus Schork an der Spitze überrascht ob der überdurchschnittlich großen Resonanz, die sich auch bei der großen Fotoausstellung „Scheidental früher und heute“ im alten Rathaus sowie im Festbetrieb fortsetzte. Doch zunächst zum Rindenschälen, das zur Geschichte von Scheidental gehört und lange Zeit für viele Arbeitsplätze gesorgt hatte. Denn die Rinde der damaligen Eichenwälder war den Gerbern aus vermutlich ganz Deutschland wertvoll. Und die Scheidentaler entwickelten sich zu waren Experten, wenn es um die Wahl der lukrativsten Rinden, deren wirtschaftliche Gewinnung und Vermarktung ging. Willi Trunk gehört zwar nicht mehr zur Generation der Rindenschäler, aber er hat die Technik noch von seinen Vorfahren gelernt und demonstrierte „in original Gamaschen“ zusammen mit Trudpert und Meinrad Scheuermann diese alte Kunst. Wobei Klaus Schork die Erläuterungen der Verarbeitung bis hin zu den optimalen Trockenzuständen gab. Besonders fasziniert zeigten sich die Kinder von der Aktion, und sie waren nach dem offiziellen Teil nicht mehr zu halten und versuchten umgehend, die kurzen Stämme ebenso fluchs von den Rinden zu befreien. Dabei legten sie einen bewunderswerten Eifer an den Tag. Abbringen ließen sie sich von ihrer „Arbeit“ erst wieder, als es hieß. „Der Peter Schlär ist mit seinem Einspänner schon fast in Scheidental!“ Und das bedeutete, das Kartoffelstecken nach alter Väter Sitte steht kurz bevor. Also pilgerte man zu dem vorbereiteten Acker gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus, wo Willi Trunk das sogenannte „Vielfachgerät“ seiner Vorfahren zusammen mit Peter Schlär anspannte. Und dieses Vielfachgerät funktionierte Dank der guten Wartung durch seinen Besitzer und der Gutmütigkeit des Pferdes ganz hervorragend. Zunächst bereitete das Gespann in Rekordgeschwindigkeit die absolut gleichmäßigen Löcher für die Kartoffeln vor, in die Meinrad und Trudpert Scheuermann zunächst allein und dann im Team einer großen Kinderschar die Kartoffeln legten und beim Weitergehen gleich festdrückten. Während dieser Zeit wechselten die Gespannhalten das Werkzeug am Vielfachgerät und in der gleichen Geschwindigkeit wie zuvor das „Löchern“ wurden die Kartoffel wunderbar „angehäufelt“. Auch diese Aktion, die im Beisein unzähliger Interessierter ablief, wurde von Klaus Schork mit dem Megaphon dokumentiert. Und der hatte sich gründlich informiert über das Vielfachgerät, seinen Ursprung und seine Einsatzmöglichkeiten und natürlich über die Kartoffel, von der es heißt „Steck mich im April und ich komm, wann ich will. Steck mich im Mai und ich komm glei.“ Das gewählte Steckdatum lässt also durchaus hoffen, dass die Pommes am „Tag der Landwirtschaft“, der für die Ernte am 12. September vorgesehen ist, nicht ausgehen. Und diese Pommes werden sicher unvergesslich gut werden. Schließlich sind sie „Echte Handarbeit, made in Scherne“. (L.M.)