Schriftgröße: a a a | SitemapDatenschutz | Impressum | Kontakt
Seite drucken

1. Mudemer Kleinkunstabend war ein voller Erfolg

Mudau. „Wenn Mudauer Künstler in Mudau einladen, dann sind alle da. Und der Gipfel ist, dass sie selbst bei den Reingschmeckten aus dem Schwäbischen da sind“, äußerte begeistert die Liedermacherin Elisabeth Sandel im Rahmen des 1. Mudemer Kleinkunstabends in der Veranstaltungsreihe „Mudau G’schmackvoll“.

Und tatsächlich war dieser Abend seit Wochen ausverkauft und nicht nur durch Mudauer. Offensichtlich hat es sich herum gesprochen, dass der Überbegriff zum einen Garantie für besondere Qualität verspricht, aber auch, dass in dieser Reihe wirklich alle Sinne auf’s Positivste angesprochen werden. Sie Veranstalter lassen sich erfahrungsgemäß immer gleich mehrere „Schmankerl“ einfallen. Durch das kulturelle und kulinarische Menü des Abends führte in bekannt bewährter Weise Helmut Korger jr., der als „Vorspeise“ und Beilage zum warmen Büffet die Phil Ha Mo Ni Ker & Co. präsentierte. Eine Instrumentalformation unter Leitung von Mario Zettl, die sich extra für diesen Abend gebildet hatte und die – ebenso wie das Büffet – für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte. Da waren ABBA oder Bonnie M genau so vertreten wie der Bolero „Andalucia“, „Hang on Snoopy“, Böhmische Musik oder Bayrische Schlager wie „Fürstenfeld“. Passend zum Dessert bot sich dem Publikum mit der Choreographie des Tanzes „Time of my life“ aus „Dirty Dancing“ mit Jasmin Mechler und Jürgen Friedel ein Augenschmaus der gehobenen Klasse. Zwar sind beide seit „ewigen Zeiten“ in die tänzerischen Höhepunkte der KaGeMuWa involviert, doch sind sie weit über den Fastnachtstanz hinaus inzwischen echte Künstler ihres Metiers. Das zeigte sich in der Begeisterung des Publikums, das mit „Szenenapplaus“ nicht sparte, wo es möglich war den Rhythmus mit klatschte und das Tanzpaar ohne Zugabe nicht von der Bühne ließ. Dem Verdauungsschnaps folgt Horst James Schäfer mit seinem „Bruchsalat“. Und auch dieser gebürtige Mudauer hatte und gab einiges „zum Verdauen“ preis. Angefangen bei Gourmetküche von Mc D und deren essbarer Verpackung, wo er zugab, dass er schon beim Tablett seine Schwierigkeiten hatte und beim Tisch dann – trotz jeder Menge Ketchup – passen musste. Schwer verdaulich war ihm auch der neue Bußgeldkatalog und die horrenten Preise für die Paparazzi-Fotos der Bullen. Ganz sicher war sein Auftritt eine herrliche und genussreiche Attacke auf die Zwerchfellmuskulatur, die nicht selten Lachtränen auslöste. Dabei schienen seine Themenfelder unerschöpflich zu sein. Die Bayern wurden genau so durch den Kakao gezogen wie die Politik, wo er Westerwelle als Kanzler vorschlug, weil dieser auch gleich als Kanzlergattin durchgehen würde. Seine eigene Definition von Alkoholmissbrauch war durchaus einleuchtend und sein voll digitalisierter Haushalt, in dem die Waage bei Überschreitung des Gewichts sofort einen Termin mit dem nächsten Fitnessstudio ausmacht, und der Kühlschrank selbständig Bestellungen ausführt oder seine Nascherei bei der Gattin petzt, reizte zu weiteren Lachsalven. Auch bei ihm war die Forderung nach Zugabe unüberhörbar. Wie das mit der Verdauung aus therapeutischer Sicht zu verstehen ist, war dann der Part von Elisabeth Sandel. Die Liedermacherin wusste, von was sie spricht. Schließlich leitet sie seit 2002 zusammen mit einer Kollegin erfolgreich das „Haus der Stille“ in Waldauerbach, wo Musik zur Therapie gehört. Mit ihrer klaren und schnörkellosen Stimme sang sie zur Gitarre sehr charmant mit einem Schuss Frechheit und einem großen Teil Humor und Witz Besinnliches und Tiefsinniges, wie es in jedem von uns – vielleicht ein wenig abgewandelt im Einzelfall – schmurgeln kann. Dabei war sie mit ihrem Publikum „ganz nah dran“ an der Depression, der Gewalt, der Wirklichkeit und am Atem der Welt. Sie brachte ihr Publikum in der festlich geschmückten Odenwaldhalle tatsächlich zu Begeisterungsstürmen und kam letztlich zu der Erkenntnis „Menschen kann man nicht verstehen, Menschen kann man nur lieben“. Und über eine „Hommage an Freud“ und dessen Einstellung zur Libido empfahl sie „Hab doch das Leben gern“ und verkündet in ihrem eigenen Nachruf „So war’s gut, so war’s meins“. Ihre Zugabe behandelte die Midlife-Krise mit der Liebe zu Franz von Assisi und zu James Bond. Nachdem sich der Saal wieder einigermaßen beruhigt hatte, stand noch das „Betthupferl“ aus. Und das war zwar süss, aber sehr kalorienreduziert in visueller Beschaffenheit einer „Modern-Dance-Chorographie“ von Jasmin Mechler, die sie zusammen mit den anderen Trainern des Fitness- und Wellness-Parks „Galaxis“, Tina Windenberger, Dominika Topmöller und Jürgen Friedel einstudiert hatte. Dieses Schlussbild eines ganz besonderen Kleinkunstabends prägte sich tief bei den Anwesenden ein und machte schon jetzt wieder Appetit auf die nächste Veranstaltung von „Mudau G-schmackvoll“. (L.M.)