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Altes Brauchtum in Donebach wiederbelebt

Donebach. Wieder einmal fand die „Historischen Spinnstube“ des Mudauer Heimat- und Verkehrsvereins, die seit den unvergesslichen Heimattagen im Jahr 2002 schon unzählige Anhänger gefunden hat, eine große Schar interessierter Zuhörer und Zuschauer.

Dieses Mal war das Donebacher Sportheim Schauplatz dieser Einrichtung aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, die von Oktober bis Ende April als einzige Zerstreuung im ländlichen Alltag möglich war. Hans Slama und den Mudauer Spinnfrauen um Lieselotte Schell gelang es wieder einmal, ihr Publikum in das idyllische Ambiente dieser Abende zu versetzen. Damals saßen die Frauen und Mädchen an ihren Spinnrädern, flochten Strohschuhe (Selbst in Donebach verdienten rd. 70 Frauen damit ihr täglich Brot), strickten oder führten andere Handarbeiten durch, die Burschen schnitzten, flochten Körbe oder banden Besen. Hans Slama erläuterte, dass der Brauch der Spinnabende in ganz Süddeutschland verbreitet war, ebenso wie das Strohschuhflechten. Er erläuterte den Ablauf dieser Abende, erinnerte an die Familien und Originale, die damals die Abende bestritten und wie damals üblich, erzählte er Geschichten, wahre und Legenden. Den Fernseher vermisste keiner der Anwesenden. Die ansprechende Kulisse bot genug Kurzweil, Gerhard Frank verstand es gekonnt, mit dem Akkordeon seinen eigenen Fischer-Chor bei Stimme und Laune zu halten und die Histörchen, die Hans Slama lieferte sorgten für ebenso viel Gelächter wie Erstaunen. So ging er auf die Ursprünge des „Spinnens“ ein, das 4000 v. Chr. Von den Chinesen entwickelt worden war. Nachweißlich wurde in Schloßau schon vor 2000 Jahren von den Römern mit der Handspindel gesponnen. Das heute bekannte Tretspindelrad ist etwa seit 1530 bekannt. Weiter beschrieb Slama den technischen Ablauf des Spinnens und welche Materialien alle verarbeitet wurden und er wusste so manche Sage oder Begebenheit zu erzählen, die den kulturellen Aspekt der Spinnstuben verdeutlichten. Z. B. von den Seejungfrauen, die durch einen dummen Scherz nicht mehr zu den Spinnstuben kommen durften. Oder dass das Leining’sche Fürstenhaus das Besuchen der Spinnstuben wegen des dortigen „verruchten Treibens“ mit drakonischen Strafen belegt hatte. Aber auch, dass die Spinntechnik des Bauern ganzer Stolz auf eine eigene Tracht war. Das war die Überleitung zur Vorstellung der Mudauer Tracht, die wie die meisten Trachten, ihren Ursprung im Militärischen Bereich hatten. Das zeige sich im sogenannten Dreispitz, aber auch im eleganten Wams (rot) mit blauem Gehrock, schwarzen Kniebundhosen, weißen Trachtenstrümpfen. Die Frauen waren gut eingepackt in unendlich viele Meter Rock, dazu Bluse, Leibchen und Weste in schwarz, dazu ein edles Halstuch in bunten Farben und eine Schürze aus dem gleichen Tuch, weiße Trachenstrümpfe, schwarze Schuhe, das kostbar bestickte Häubchen und eine geflochtene Handtasche. Nach dieser Präsentation erzählte Hans Slama unter anderem die Überlieferung vom Bildstock in der Donebacher Reitersgasse. Demnach hausten und plünderten im Schwedenkrieg die Soldaten überall. Als sie nach Donebach kamen, flohen die Einwohner oder versteckten sich. Doch ein altes Weiblein, das nicht mehr gut zu Fuß war, konnte nicht fliehen. In seiner Angst setzte es sich in einen großen Weidenbusch, und dort bat es die Muttergottes, sie solle ihren Mantel über den Weidenbusch breiten. Tatsächlich ritten die Schweden an dem Busch vorüber, ohne das Weiblein zu sehen. Ja, sogar ihre Pferde banden sie dann an der Weide fest und bemerkten nichts. Als die Schweden wieder fort waren, kroch das Weiblein unversehrt aus dem Weidenbusch, und zum Dank ließ es an der Stelle seiner Rettung einen Bildstock errichten, der der Muttergottes geweiht ist. Die Gasse, durch die die Schweden geritten waren, nannte man fortan „Reitersgasse“. Aber das war nur eine von vielen Sagen oder Überlieferungen, die Hans Slama an diesem Abend zu Gehör brachte. Und dazu „sangen“ die Spinnräder der fleißigen Spinnfrauen ihre eigene leise Melodie und die Produkte, die sie mit der selbst gesponnenen Wolle herstellten sprachen für sich und die Fertigkeiten der Damen. (L.M.)