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HVV Mudau erkundete Ernsttal und Breitenbach

Mudau. Über 60 Interessenten konnte der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsverein Mudau, Hans Slama, zu einer Wanderung zu den verlassenen Dörfern Ernsttal und Breitenbach begrüßen. Alois Friedel führte auf den guten Wanderwegen durch die idyllische Landschaft und sorgte für die Bewirtung.

Hans Slama führte durch die wechselvolle Geschichte des Dorfes Neubrunn (heute Ernsttal), welches im Jahre 1314 als Nuwenbrunnen (Neuer Brunnen) erstmals erwähnt wurde. Zusammen mit Hesselbach wurde es vom Fronhof Mudau aus besiedelt und beide wurden spät gegründet. Kirchlich gehörte Neubrunn jedoch zu Kirchzell und kam erst im 17. Jh. zu Mudau. Das Geschlecht derer von Gabel war in den Besitz der niederen Gerichtsbarkeit gekommen und wurde vom Kloster Amorbach wieder zurückerworben. Der gleichnamige Gewannname und der Gabelbach künden heute noch davon. Früh zeigte sich, bedingt durch die Topografie schon im 15. Jh., die Rückständigkeit in der Landwirtschaft der beiden Dörfer Breitenbach und Neubrunn. Beide gehörten deshalb nicht zu den wohlhabenden Ortschaften. Die Allmende wurde deshalb in Neubrunn schon im 16. Jh. Aufgeteilt. In Neubrunn bestand ein Fronhof, der mit einer Schäferei verbunden war. Frondienste mussten dem Kloster geleistet werden, wie Fische tragen, Fuhren erledigen und auch Flößerdienste.Nach dem 30-jährigen Krieg, unter dem die Ortschaften alle litten, zählte im Jahre 1668 Neubrunn wieder ca. 40 Einwohner. Im Jahre 1803, als der Fürst von Leiningen mit unserem Raume für seine linksrheinisch verlorenen Gebiete entschädigt wurde, zählte das Dorf 55 Einwohner. Leiningen begann hier mit dem Bau eines Jagdhauses und der Anlage eines Wildparkes, baute die Straße über die Seitzenbuche und erwarb bis 1832 alle Bauerngüter in Neubrunn. Im Jahre 1836 wurde die Gemeinde aufgelöst und dann nach dem ältesten Sohn des Fürsten in Ernsttal umbenannt. Im Jahre 1848 wurde das Rentamt durch die Bauern geplündert, die Brauerei war wenige Jahre zuvor erbaut worden, ebenso eine Gaststätte mit Posthalterei. Die Brauerei musste in der Inflationszeit nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben werden. Während des letzten Krieges diente sie als Heerlager und wurde, da man keine Verwendung fand, 1973 gesprengt. Vorbei an der ,,Gambrinushalle“ und Küferei, sowie dem namensgebenden Brunnen und dem Rentamt führte der Weg nach Breitenbach. Besonders interessant war es hier, dass Nachfahren von Breitenbachern in der Gruppe waren. Breitenbach gehört zu den frühen Gründungen von Kirchzelll aus, Die Anlage der 11 Höfe, so führte Hans Slama aus, erfolgte in Breitstreifen. Eine Mühle bestand bis ins 19. Jh. Bis zum Jahre 1468 waren die Herren von Collenberg mit der niederen Gerichtsbarkeit belehnt. Danach besaß diese das Kloster Amorbach. Im Jahre 1803 lebten hier 122 Menschen. Im Jahre 1832 waren es 14 Familien und 108 Einwohner. Bis zum Jahre 1839 wurden alle Höfe durch den Fürsten aufgekauft, da dieses Dorf ebenso wie Neubrunn im Tiergarten lag. Im Jahre 1842 wurde die Gemeinde aufgelöst. Im Jahre 1950 lebten hier noch 11 Personen, heute keine mehr. Fließendes Wasser und Strom gibt es nicht. Besonders interessant und lehrreich zeigte sich auch der Kirchenbesuch in der im Jahre 1741 erbauten Kirche, die vom Abbruch verschont blieb. Pfarrer Grumbach erklärte die Gestaltung der Kirche und deren Renovierung. Diese kostete 35.000 Euro und brachte ihm viel Kritik. Besonders interessant für die Wandergruppe war die Inneneinrichtung, da auch der aus Mudau stammende Nikolaus Hooff mitgearbeitet hat. Die Wanderung führte nun über den Berg zum Schloss Waldleiningen. Unterwegs erzählte Hans Slama etwas über den Wald, die Jagd und die Anlage von Tiergärten. Ein Mitwanderer erfreute die Gruppe durch zwei treffende Trompetensoli. Am Schloss gab es weitere Erläuterungen zur Baugeschichte von 1810 bis 1841, dem Gründungsbrunnen und in der Kapelle, ebenso am Marstall, der als letztes Bauelement 1873 fertiggestellt wurde. Im letzten Krieg diente das Schloss als Lazarett und wurde danach ausgebaut und als Klink weitergeführt. Mit einer Abhandlung zur Geschichte derer von Leiningen und zum Steinkreuz klang die Wanderung aus. Hierbei sprach die Gruppe dem Heimat- und Verkehrsverein für diesen wundervollen Tag ein besonderes Lob aus. (L.M.)