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Eindrucksvolle Pflanzenwelt im Naturdenkmal

Mudau.Der Odenwald hat zweifellos neben einer guten Luft auch unglaubliche Natur zu bieten. Und heute ist es keine Seltenheit mehr, wenn ein Odenwälder sehr bewusst feststellt: „Wir leben da, wo andere Urlaub machen“. Doch traditionell gilt der Boden im Odenwald als karg und eher unfruchtbar.

Die Menschen hatten es hier zu früheren Zeit mehr als schwer, die Gegebenheiten zu überleben. Wenn man das weiß, verwundert es doppelt, wenn man hört, dass ausgerechnet im Badischen Odenwald Lilien- und Orchideenarten zuhause sein sollen. Im Rahmen des Mudauer Sommerprogramms hatte die Gemeinde am vergangenen Sonntag den Dipl. Ing. in Landespflege, Peter Bussemer für eine Führung durch die flächenhaften Naturdenkmale „Seeheumatte“ und „Klingheumatte“ auf Gemarkung Schloßau gewinnen können. Und eine Gruppe von rd. 30 Interessierten schloss sich ihm an, um zunächst in der „Seeheumatte“ die Artenzusammensetzung und die Pflanzengesellschaften der mageren und ungedüngten Feuchtwiesen kennen zu lernen, welche vor allem durch den Standortfaktor Wasser bestimmt werden. Hier findet man vor allem Sumpfdotterblume, Fadenbinse, Flammenden Hahnenfuß, Sumpf-Vergi߬meinnicht, Sunpfscharfgarbe und geflecktes Knabenkraut. Die Pflanzengesellschaften der Nass - und Feuchtwiesen des Schutzgebietes beher¬bergen an diese Biotopbedingungen hoch angepasste Tiergesellschaften, darunter eine große Zahl gefährdeter Tierarten. Typische Vertreter der Nass -wiesen und Flachmoorbereiche sind z. B. verschiedene Libellen, wie Mosaikjung-fern und Azurjungfernarten und Tagfalterarten, z. B. Moorbläuling und Dickkopf¬falter. Als wichtige Arten der Avifauna sind Wiesenpieper und Kiebitz zu nen¬nen. Um dieses Paradies zu erhalten, sollte nur einmal jährlich, und zwar im September/Oktober gemäht, nicht entwässert, gedüngt oder aufgeforstet werden. Sehenswert war auch das rd. 6,5 Hektar große Naturschutzgebiet „Klingheumatte“ mit der Charakterisierung „oberflächennah und vernässend“. Wie Dipl. Ing. Peter Bussemer erläuterte, hat es nicht an Versuchen gefehlt, durch Entwässerungsgräben einen raschen Abfluss zu erzielen. Auch sind in wenig tiefen Senken kleinflächige Lehmentnahmestellen erkennbar. In Verbindung mit früherer Streunutzung, einem extensiven Entwässerungs¬systems und Verzicht auf eine vorrangig ertragswirtschaftlich ausgerich¬tete Holznutzung hat sich der abgegrenzte Bereich der Klingheumatte zu einem schutzwürdigen, weil seltenen Biotoptyp entwickelt. Die Gehölzvegetation besteht überwiegend aus locker stehenden Waldkiefern und Birken. Im Unterwuchs kommt häufig Faulbaum und Vogelbeere vor. Ledig¬lich am Rand sind auf kleiner Fläche Fichten eingebracht, die jedoch schlechtwüchsig und in der Wuchsform schwach ausgebildet sind. Das Wald¬bild ist demnach licht und aufgeweitet, kleinere Blößen mit jungem Gehölz¬anflug sind zwischengelagert. Die Krautschicht ist reich an Zwergsträuchern wie Heidelbeere und Heidekraut. Dominierend ist jedoch das Pfeifengras (Molinia caerulea) vor allem in den Wald-Kiefern-Flächen. Insbesondere im Herbst leuchten die Horste des Pfeifengrases in orangegelber Färbung deut¬lich hervor. Es sind dies vermutlich die Bereiche, die einer ehemaligen Streunutzung unterlagen und in die die Waldkiefer eingebracht wurde.Die natürliche Waldbestockung auf diesen vernäßten Stellen wird von einem Birkenbruchwald gebildet, der im Schutzgebiet noch in Teilbereichen vor¬handen ist_ Hänge-Birke und Moor-Birke (Betula pendula, B. pubescens) kommen hier zur Vorherrschaft, die Strauchschicht wird von Faulbaum (Frangula alnus), Grau- und Ohren-Weide (Salix cinerea, S. aurita) aufgebaut. Das Pfeifengras weicht zurück, es treten verstärkt Moos-Decken mit Sphagnum palustre, Sphi recurvum und Poiytrichum commune auf. Insbesondere in den tiefer liegenden Lehmgruben mit kleiner Wasserfläche sind diese Flachmooransätze deutlich ausgeprägt. Hier findet sich auch das breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium), verschiedene Seggen-Arten wie Carex echinata, C. rostrata. Es sind Flächen, auf denen auch verstärkt das Weiden-Faulbaum-Gebüsch auftritt, wohl als Sekundärvegeta¬tion des ehemaligen Birkenbruchs, in die allerdings bereits wieder Birken eindringen. Diese Entwicklung zur potentiellen natürlichen Vegetation stimmt auch mit den vegetationsgeschichtlichen Ergebnissen überein, die solche Flächen in ihrer früheren Entwicklung immer mit einem hohen Anteil an Forlen und nachfolgend Birken aufzeigen. Der besondere Wert liegt deshalb im Erhalt und im Bewahren einer seltenen, weil meist durch Entwässerung und Aufforstung nachteilig veränderten Wald¬gesellschaft mit ihren Ansätzen zur Flachmoorbildung. (L.M.)