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Das wirkliche Leben - "zum Schreien komisch"

Mudau. (lm) Hans Slama hatte sich als Sprecher der Mudauer Vereine HVV; Landfrauen, Siedler- und Gartenfreunde sowie VDK über die gute Resonanz zur ersten Mudauer Lachnacht zugunsten der Mudauer Kindergärten in der Odenwaldhalle gefreut. Wie sich nach guten zwei Stunden mit der temperamentvollen Kabarettistin Vera Deckers herausstellte, hatte es kein Entrinnen vor dem „Lach emol widder“ gegeben. Denn der ausgebildeten Psychologin war es mit ihrem Programm „Wenn die Narzissten wieder blühen“ problemlos gelungen, das wirkliche Leben „zum Schreien komisch“ zu beschreiben, die Zwerchfellmuskulatur ihres Publikums extrem zu strapazieren und ihnen die Lachtränen in Strömen aus den Augen zu treiben. „Sie klatschen zu Recht, der Abend ist gerettet, denn ich bin hier“, meinte sie mit trockenem Humor als Künstlerin von Berufs wegen ein bisschen narzisstisch veranlagt schon zum Auftakt dieser „Mudauer Weltpremiere“. Denn ein bescheidener Künstler sei wie ein wacher Beamter. Damit outete sie sich als Psychologin, auch wenn sie den „Ausstieg“ noch rechtzeitig geschafft habe. Auch sei sie ein absolutes Weichei, das sich noch nicht einmal Naturfilme anschauen könne, ohne einem Weinkrampf nahe zu sein. Sie empfahl dafür lieber „Kuscheln ist gesund“ und das übte sie mit dem Publikum auch gleich in einer „Hand auf rechte Schulter des Nachbarn“-Übung zum Spaß aller. Aber Vera Deckers hatte auch ganz klar einen imaginären Spiegel in der Hand, in dem jeder ein Stück von sich sah, ohne es der Kabarettistin übel zu nehmen. Mit trockenem Humor zeigte sie den Wahnsinn der heutigen Zeit anhand von wissenschaftlichen Studien auf. Demnach scheint Verpackung wichtiger zu sein als der Inhalt. Soziale Netzwerke gewinnen vor echten Freunden, Helikopter-Eltern bremsen ihre Kinder auf der Schaukel komplett aus und halten Zucker für das neue Heroin. Teenager experimentieren nicht mehr mit Drogen, sondern posieren für Selfies und sind auf dem allgemeinen Selbstverwirklichungs-Trip, bei dem sich jeder als Star sieht und Selbstoptimierer mit Fitness-Tracker nicht nur Schritte, sondern auch Kalorien, Schweißtropfen, Rülpser und das Geschnarche im Schlaf zählen. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ war einmal – heute zeigt sich am derzeit wohl berühmtesten Narzissten Donald Trump „wer immer lügt, hat’s durchgezogen“. Wissenschaftlich belegt – so Vera Deckers – gäbe es auch 237 unterschiedliche Gründe, um Sex zu haben. Unter anderem hat da einer eine Wette verloren und ein anderer wollte sich Gott näher fühlen. Nicht nur deshalb haben für sie die Narzissten die Macht übernommen. Nach Gesprächen mit ihrem eigenen Psychiater war wohl beiden klar „Es geht einem niemals gut oder schlecht wegen einer Situation, sondern lediglich wegen der Bewertung dieser Situation. Also „If you’re happy and you know it, clape your hands“. Genauso sei erwiesen, dass Menschen, die sich sozial engagieren glücklicher sind und länger leben als Narzissten. Als letzte wissenschaftliche Studie gab die Kabarettistin bekannt, dass Gelegenheitstrinker länger leben als Leute, die gar keinen Alkohol trinken, was ihr endgültig die Sympathie der Mudauer einbrachte wie der lang anhaltende Beifall zeigte.