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Regierungspräsident Dr. Kühner besucht Ausgrabung

Mudau-Schloßau. Die römischen Ausgrabungen in Schloßau bildeten den ersten Anlaufpunkt einer kleinen Rundreise des Karlsruher Regierungspräsidenten Dr. Rudolf Kühner zu den derzeitigen archäologischen Highlights im Neckar-Odenwald-Kreis, die ihren Höhepunkt in der Eröffnung des Römermuseums in Osterburken fand.

In Schloßau erläuterten Ausgrabungsleiterin Dr. Britta Rabold und der technische Ausgrabungsleiter Siegfried Reißing zunächst, dass ihre vordringlichste Aufgabe in der Sicherung der Funde und Erkenntnisse für die Nachwelt liege. Dem ging die herzliche Begrüßung des Regierungspräsidenten sowie des Landrats Dr. Achim Brötel durch Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger voraus, der vor allem die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Ausgrabungsteam und Gemeindeverwaltung sowie die große Akzeptanz seitens der Bevölkerung hervor hob. Wie Dr. Rabold ausführte, sei dem Landesdenkmalamt schon bei Ausweisung des Baugebietes klar gewesen, dass man hier auf eine Zivilsiedlung stoßen würde und daher archäologische Ausgrabungen anstünden. Was man nicht geahnt habe, sei die Tatsache, dass ein kleines Numeruskastell mit 120 bis 150 Soldaten – wie es das Schloßauer Kastell war – eine so große Zivilsiedlung mit „Industriegebiet“ verursacht hat. Und wie interessant sich dieses großflächige Projekt gestalten würde. Es habe in den letzten drei Jahren vollkommen neue Erkenntnisse gebracht und sei von unglaublichem Interesse seitens der Bevölkerung und wahrer Besucherscharen begleitet. Dennoch hoffe man, das Projekt in diesem Baugebiet noch in diesem Jahr abschließen zu können. So gut wie alles, was man inzwischen ausgegraben und katalogisiert habe, werde wieder im Boden konserviert. Ausnahme sei ein kleines Stück der 5 bis 6 Meter breiten römischen Straße, das ganz zum Schluss untersucht werden und dann sichtbar bleiben soll. Durch Hinweisschilder und entsprechende Bepflanzung will man auch auf das Kastell mit seinem Bad und die Zivilsiedlung hinweisen, um Besuchern weitere Sehenswürdigkeiten anbieten zu können, so der Tenor von Bürgermeister Dr. Rippberger. Glücklicherweise sei das Areal Grabungsschutzgebiet, um die Anlage – gut konserviert unter der Erde – für die Nachwelt erhalten zu können. Großes Interesse zeigte Regierungspräsident Dr. Kühner auch an den ausgegrabenen Ton-Exponaten, wobei die schönsten Stücke bereits in einer Vitrine des Landesmuseums ausgestellt sind. Frau Dr. Britta Rabold erläuterte „ihrem Chef“, dass der etwa 100 km lange Odenwaldlimes zur Hälfte durch Hessen und zur anderen Hälfte durch das Gebiet des Regierungspräsidiums Karlsruhe führe und etwa 100 n. Ch. erbaut worden sei. Das Bad gilt als erster Bau und war sowohl für die Soldaten als auch für die Zivilbevölkerung gedacht. Interessant sei dabei, dass die Damen für die Benutzung den doppelten Preis zahlen mussten, dafür durften sie den Luxus früh am Morgen nutzen. Als besonders wichtig für die Arbeit in Schloßau erachtete die Ausgrabungsleiterin natürlich die ausführliche Dokumentation, aber vor allem die Publizierung der Ergebnisse. In diesem Zusammenhang lobte Landrat Dr. Brötel die Gemeinde Mudau mit ihrem vorbildlichen Sonntagsprogramm, das nun bereits im dritten Jahr große Besucherströme aus dem Rhein-Neckar-Raum anlocke und sich auch für die Präsentation dieser archäologischen Raritäten anbiete. Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner machte seinen Gastgebern deutlich, für wie wichtig er die diffizile Arbeit des Landesdenkmalamtes erachtet und wie unglücklich das ewige Hin- und Hergeschiebe dieser Einrichtung von einem Ministerium zum nächsten für deren Arbeit sei. Nach einem kurzen Ausflug zu dem einst so wichtigen Wachtposten „In der Schneidershecke“ mit seinen zwei Steinturmruinen und einem Zwischenstop am ersten Geopunkt im UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald bei der Schloßauer Grundschule mit seinem Streifenhausnachbau sowie der originalen Nachbildung eines römischen Töpferofens verabschiedete sich Dr. Kühner überaus zufrieden mit den Erkenntnissen dieses Nachmittags, um der Eröffnung des Römermuseums in Osterburken beiwohnen zu können. (L.M.)