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125 Jahre ländlicher Kreditverein als Genossenschaft

Mudau. Am 15. August 1897 wurde der Ländliche Kreditverein Mudau als eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung gegründet und die Grenze, bis zu welcher einem Mitglied Darlehen vom Vorstand bewilligt werden durfte, war auf 100 Mark festgesetzt. Der Zinsfuß für Anlehen betrug 3 ½ %, für Darlehen 4 ½ % und der Verein arbeitete mit einem einprozentigen Nutzen. Auf den Tag genau 125 Jahre später erinnerten die Bankvorstände Karin Fleischer und Rainer Kehl zusammen mit Willi Müller als Prokurist i.R., der heutigen Filialleiterin Heike Kohler-Mackert, Prokurist Reiner Kistner und einer Abordnung des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau mit Hans Slama an der Spitze in einer kleinen Feierstunde an diesen denkwürdigen Tag der heutigen Volksbank Franken und bestätigten, dass das Prinzip dieser Genossenschaftsbank bis heute unverändert ist. Dass diese Feierstunde in der sogenannten „Guten Stube“, der Arthur-Grimm-Stube der Mudauer Filiale stattfand, hatte zum einen den Grund, dass die Volksbank Franken die Werke Arthur Grimms in Mudau sammeln will, zum zweiten war der Vater von Arthur Grimm einer der ersten Vorstände des Mudauer Kreditvereins. Es wurde deutlich, wie positiv Genossenschaften gerade im ländlichen Raum das Wirtschafts- aber auch das Ortsbild geprägt haben. Bankvorständin Karin Fleischer erinnerte kurz an die Gründungszeit, die sie als herausfordernd bezeichnete und als Grundstein für die positive ländliche und wirtschaftliche Entwicklung und sie verglich die Mechanisierung in der Landwirtschaft mit der Industrialisierung allgemein. Es wurde deutlich, dass das ursprüngliche „Zehnt in Naturalien“ umgerechnet werden musste in Geldbeträge, dazu wurde der Erntedurchschnitt von 10 Jahren ermittelt. Was damals ganz normal ehrenamtlich in sogenannten Wohnzimmergeschäften abgewickelt wurde, bekam erst sehr viel später das Ambiente von Bankgebäuden. In Mudau wurde der Übergang ins Rathaus gelegt und 1948 das erste Bankgebäude in der Hauptstraße bezogen, seit 1998 – also genau 50 Jahre später ist man in dem Ortsbild prägenden Gebäude der jetzigen Raiffeisenstraße beheimatet. Hans Slama, bekannt als historisches Gedächtnis der Gemeinde Mudau ging näher auf die Gründung ein. Er erinnerte daran, dass früher meist Juden, aber auch Kirchenkassen und Privatpersonen als Geldgeber auftraten. So verlieh laut Kirchenbuch die Pfarrkirche Mudau Geld um 5 % aus. Als im 19. Jhd. aufgrund der Industrialisierung der Geldbedarf stieg, waren Geldinstitute gefordert, aber auch gefürchtet wegen des „kapitalen Wuchers“. Nach dem Motto „hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ folgten immer mehr den genossenschaftlichen Ideen von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Schon ab 1850 entstanden so Raiffeisen-Warengenossenschaften sowie die von Schulze-Delitzsch geprägten Spar- und Consumvereine, die er schon damals Volksbanken nannte. Mudau mit seinen damals 1.156 Einwohnern war mehr als arm, hygienisch rückständig und Ärzten gegenüber, gelinde gesagt, mißtrauisch. Laut Arthur Grimm 1890: „Der Nachkomme des Wundchirurgen Schmedding namens Bertold war Friseur, Zahnzieher, staatlich geprüfter Desinfektor, Jagdaufseher und Leichenbeschauer“. Ab 1890 kümmerten sich die Barmherzigen Schwestern um Arme, Kranke und Alte und gründeten eine Kleinkinderschule. Die Lebenserwartung lang bei 35 bis 40 Jahren. Als 1896 der Landwirtschaftslehrer Huber anläßlich einer landwirtschaftlichen Besprechung im Gasthaus Engel einen Vortrag über Landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften hielt, war die Resonanz groß. Doch dauerte es noch bis zum 15. August 1897 bis im Mudauer Gasthaus „Krone“ 20 Mitglieder in der ersten Sitzung der Generalversammlung des „ländlichen Kreditvereins Mudau eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung“ unter Beratung des Gr. Ökonomierats Schmid aus Tauberbischofsheim und unter Vorsitz von Bürgermeister Isidor Linz die Satzung beschlossen, in der u.a. die Wahl des Vorstandes, des Rechners und des Aufsichtsrats in einer Generalversammlung, sowie der Mitgliedsbeitrag von 1 Mark, ab 1.1.1898 von 2 Mark beschlossen wurde. Außerdem sollte mit dem ländlichen Kreditverein eine Sparkasse verbunden werden. Die Wahl brachte dann folgendes Ergebnis: geschäftsführender Vorsteher August Grimm, Stv. Julius Link, weitere Vorstandsmitglieder Ernst Frankenbach, Isidor Linz und Frz. Karl Berberich. Aufsichtsrat Josef Wilhelm Link, Albert Schäfer, Heinrich Link, Gustav Burkardt, Gottfried Dambach, Ludwig Maier, August Burkardt. Der Verein wirtschaftete wohl sehr umsichtig, denn schon 1925 hatte er 386 Mitglieder aus Mudau und Umgebung. 1971 schlossen sich die selbständigen Buchener Volksbank, Spar- und Kreditbank eGmbH Mudau und Raiffeisenbank Hettingen zur leistungsfähigen Volksbank Franken zusammen, die für mehrere Genossenschaften der Gemeinde als Mutter steht. Hans Slama abschließend seiner Ausführungen: „Es hat sich im Laufe der Geschichte gezeigt, dass die demokratische Rechtsform der Genossenschaft aktueller denn je isst. Sie bietet Raum für Lösungen kommender Herausforderungen“.