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HVV unterwegs im Geopark

Mudau. Gemäß dem Leitspruch des Vereins: „Daheim im Odenwald“ konnte nun nach intensiven Vorbereitungen das Geschenk des Bürgermeisters und Geoparks zum 30jährigen Vereinsjubiläums eingelöst werden. Der erste Vorsitzende Hans Slama informierte die zahlreichen Teilnehmer während der Fahrt über die Verbindungen des Mudauer Odenwaldes mit dem Kloster Lorsch.

Vom kirchlichen Zentrum Worms aus wurde die Besiedelung und Christianisierung des Odenwaldes durch die vier Klöster Lorsch, Fulda, Mosbach und Amorbach ab dem 8. Jahrhundert systematisch betrieben. Dabei wurde Lorsch zum Rivalen von Amorbach. An der Itter stießen die beiden Interessensbereiche direkt aufeinander. In Lorsch führte der Geschäftsführer des Geoparkes und Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Herr Reinhard Diehl, die Gruppe auf dem ehemaligen Klosterbereich und der heutigen UNESCO Weltkulturerbestätte sehr sachkundig und informativ. 500 Jahre lang war das Kloster, seit Karl dem Großen, mit den deutschen Königen und Kaisern aufs engste verbunden. Die Karolinger hatten dort ihre Grablege und auch die deutsche Sprache hat dort wohl ihren schriftlichen Ursprung genommen. In der neu renovierten Königshalle konnte man sich in diese Zeit zurück versetzt fühlen, ebenso im neu angelegten Klostergarten und dem noch stehenden Vorbau der Klosterkirche. Diese verdankt ihre Existenz der Nutzung durch die Tabakbauern, ähnlich wie die Königshalle der Nutzung als Kapelle. Der Rest der Gebäude wurde nach der Aufgabe des Klosters zum Abräumen für die Bevölkerung freigegeben. Das Kloster ist eines der wenigen nicht überbauten deutschen Klosterareale und somit für die Forschung eminent wichtig. Überrascht waren die Teilnehmer von dem schönen, großen und reichhaltigen Museum in Lorsch. Zum Abschluss des ersten Teiles der Exkursion dankte Bürgermeister Dr. Rippberger Herrn Diel für die exzellenten Informationen und übergab je ein Geschenk an die Stadt Lorsch und die Partner- Geopark Außenstelle zu Mudau. Hans Slama bedankte sich bei beiden für das einmalige und exklusive Geschenk. Gleichzeitig versprach er den Geopark durch den Heimat- und Verkehrsverein Mudau, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, weiterhin zu unterstützen. Bei der nächsten Station am Geopark-Erlebnispunkt, dem Felsenmeer in Reichenbach, tauchte man unter sachkundiger Geoparkführung in die über 300 Mio. Jahre dauernde Entstehungsgeschichte des Odenwaldes ein. Besonderes Interesse weckte die Zeit als wir bei uns vor ca. 65 Mio. Jahren subtropisches Klima hatten und die Steine des Felsenmeeres deshalb ihre heutige Gestalt annahmen. So mancher sehnte diese warme Zeit wieder herbei. Auf die ehemals bei uns lebenden Sauriere und den Übergang zu den Säugetieren ging der Ranger ebenfalls ausführlich ein. Die Auswirkungen von Kontinentaldrift, Einbruch des Rheingrabens und Auffaltung der Alpen auf den Odenwald lernte man kennen. Auch konnte man dort eine der 14 sagenhaften Siegfriedquellen im Odenwald plätschern hören und sehen. Gut gestärkt ereichte man nunmehr die Grube Messel, welche als einzige der 30 UNESCO Welterbestätten in Deutschland Weltnaturerbestätte ist. Erst vor kurzer Zeit konnte man das Rätsel der Entstehung lösen. So entstand die Grube mit dem dann folgenden See als Maarvulkan. Vor etwa 20 Jahren sollte das 65 ha große Loch Müllkippe werden. So war neben der erstaunlicher Karriere der Messeler Grube vieles über die industrielle Nutzung des schmierig, teerigen Ölschiefers in den letzten 150 Jahre zu erfahren. Die spannende Geschichte des Kratersees im Regenwald vor 47 Mio. Jahren faszinierte die Besucher, zumal man sachkundig bis zur heutigen Grabungsstätte geführt wurde. Denn neben sensationellen Säugetierfunden, wie dem Urpferdchen, sind mittlerweile mindestens 109 Pflanzenfamilien, 8 Fisch-, 31 Reptilien-, 5 Amphibien-, 43 Vogelarten und wohl 30 Arten wirbelloser Tiere wissenschaftlich nachgewiesen worden. Und die Funde halten weiterhin an. Da das Gebiet dem Naturschutz unterliegt haben sich heute wieder seltene Pflanzen und Tierarten angesiedelt. Ebenso wie am Felsenmeer plant man die Errichtung eines Besucher-Zentrums. Beeindruckt von dem Erlebten und in der Gewissheit in einer herrlichen Landschaft zu leben, passte das vom Vorsitzenden zitierte Sprichwort haargenau: „Warum denn in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah…“. (L.M.)