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,,Töpferei an der Grenze“

Mudau. (lm) ,,Ein Rathaus wird zum Museum, aber nicht museal“. Dies betonte Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger anlässlich der Eröffnung zur ersten Dauerausstellung römischer Funde in der Region unter dem Thema ,,Töpferei an der Grenze“.

Mit dieser Präsentation der heimischen Geschichte und ihrer römischen Funde wurde auch gleichzeitig in Mudau das sogenannte ,,Römerjahr“ in Baden-Württemberg mit seinen zahlreichen Veranstaltungen eingeleitet. Zahlreiche Gäste hatten sich im Bürgersaal des Mudauer Rathauses eingefunden, darunter auch mit Dr. Britta Rabold als Leiterin der Archäologischen Denkmalpflege die wichtigste Römerin der Gemeinde Mudau, Restaurator Wolfgang Frey vom Regierungspräsidium Karlsruhe und die Mitglieder des Vereins ,,örtliche Geschichte Schloßau“ sowie des Heimat- und Verkehrsvereins und Ehrenbürger Joachim Schulz. Bürgermeister Rippberger: ,,Wo gibt es das schon, dass die Forschung bei den Ausgrabungen so hautnah zu erleben ist und dass die Wissenschaft in dieser Form der Bevölkerung zu Gemüte geführt wird, wie z.B. bei den Ausgrabungen im Ortsteil Schloßau.“ Dr. Britta Rabold stellte im Anschluss diese Ergebnisse der gegenwärtig laufenden Ausgrabungen einer Zivilsiedlung am Odenwaldlimes des Schloßauer ,,Burggewann“ seit dem Grabungsbeginn im Mai 2003 und die Ausstellungsstücke im Detail vor. Gezeigt werden noch bis einschließlich 4. September im Mudauer Rathaus umfassende und zusammenhängende Siedlungsbefunde einer römischen Ortschaft an diesem Grenzabschnitt. Dem interessierten Besucher der Sonderausstellung bieten sich auch Einblicke in hervorragend erhaltene Fundstücke, darunter etwa 20 Fehlbrände, die noch in einem der insgesamt vier Töpfen lagen. Das Kastell Schloßau gehöre, so die Denkmalpflegerin, zum sogenannten Odenwaldlimes, einem Teilstück der römischen Reichsgrenze, das Anfang des 2. Jahrhunderts n. Ch. Eingerichtet wurde und von Obernburg am Main bis Bad Wimpfen am Neckar reichte. Diese Nord-Süd verlaufende Grenzziehung war etwa 80 km lang und bestand ca. 50 Jahre. In ihren Einführungen nannte Dr. Rabold die wichtigsten Fakten zum Odenwaldlimes und sprach besonders die Kastelle Schloßau und Scheidental sowie die Turmstelle ,,Schneidershecken“ auf Mudauer Gemarkung und in der Nachbarschaft die Kastelle Neckarburken, Hesselbach, Zwing und Robern an. Besonders gelobt wurde das Engagement des Vereins ,,Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach“, der aus dem Wachturm ,,Schneidershecken“ ein Prestigeobjekt gezaubert habe. Neben Hinweisen auf bislang mindestens fünf Holzfachwerkbauten konnten im bislang bekannten Abschnitt konkrete Anhaltspunkte für handwerkliche Tätigkeiten unweit des Kastells in Schloßau nachgewiesen werden. Dazu gehören fünf Öfen, die unterschiedliche Funktionen besaßen, darunter auch rechteckige Öfen, die wohl zum Backen oder Kochen dienten und in den sogenannten Streifenhäusern genutzt wurden. Als sensationell bezeichnete die Referentin die gepflasterte Ausfallstraße des Kastells. Man habe einen Straßenkörper von sechs Meter Breite mit beiderseitigen Banketten gefunden. Diese Bankette dienten als ,,Kriechspur“ und zum Aufstellen von Handelsständen. Als erstes bestanden Kastell, Bad und Straße. Mit den ersten Baumaßnahmen dürften zwei Schmideessen in Verbindung stehen sowie der Ziegelbrennofen. Danach baute man die Streifenhäuser für die Vicusbewohner, die demnach nicht gleich von Anfang an in Schloßau siedelten. Sicherlich seien diese Häuser bereits niedergelegt worden, als die Töpferöfen entstanden. Möglicherweise, so Dr. Trabold weiter, geschah dies sogar nach Abzug des Militärs um 150 n.Ch.. Ein Teil der zivilen Bevölkerung zog vermutlich mit der Truppe an den äußeren Limes, während andere vor Ort blieben und dem Töpferhandwerk nachgingen. Vorherrschend sei ein großer, rechteckiger Ofen aus Ziegeln gemauert, der wohl am ehesten mit der Ziegelherstellung in Verbindung zu bringen sei. Genauere Aussagen seien aber erst nach weiteren Ausgrabungen und vor allem der endgültigen, wissenschaftlichen Auswertungen möglich. Als besonders interessant nannte die Archäologin die Analyse der äußerst zahlreichen Keramikfunde, die eine Beurteilung erlauben, ob in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus noch Leute im heutigen Schloßauer ,,Burggewann“ wohnten. Die Ausstellung im Bürgersaal des Mudauer Rathauses ist montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr, montags und dienstags von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie an Sonntagen von 10 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.