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Reischebocher Bühneborzler brillierten

Reisenbach. (lm) Sicherlich war die allgemeine Wohnungsnot nicht Ursache für drei ausverkaufte Vorstellungen „Verkaufe Wohnung samt Leiche“ in der örtlichen Alten Schule. Nach vier Jahren Zwangs-Theaterpause sehnten sich die Fans der „Reischebocher Bühneborzler“ nach deren kulturellem Highlight, und dass diese gerade die schwarze Komödie in drei Akten von Markus Lendl ausgesucht hatten, hatte die Neugier auf einen unterhaltsamen Abend natürlich noch mehr geschürt. Zwei Monate intensiver Probearbeit – gegen Ende mit steigenden Probeabenden je Woche hielten die Laiendarsteller auf Trab, doch die hatten auch jede Menge Spaß unter der bewährten Regie von Tanja Müller, die auch gleichzeitig für die Maske verantwortlich zeichnete. Verlass war auch auf Souffleuse Silke Geier, deren Einsatz bei den Auftritten aber nur noch als Sicherheitsnetz diente. Anna-Lena Friedel spielte dabei die in Scheidung lebende Ursula „Ursel“ Feldgrill, die die einst gemeinsame Wohnung im ersten Trennungsschmerz verkaufen will. Glücklicherweise wird sie bei ihrem Vorhaben tatkräftig unterstützt von ihrer taffen Schwester Rotraud „Rotti“ Sebenstreit, eine Rolle die Corinna Huberty auf den Leib geschrieben war. Denn auf Anraten des Maklers setzten die beiden einen Tag der offenen Tür an in der Hoffnung auf schnellen Verkaufserfolg. An sich eine gute Idee, wäre da nicht die neugierige Nachbarin Hertha Gantler, alias Sandra Brand – die die Reisenbacher von einer unbekannten Seite kennenlernten, mit ihrem allseits präsenten Handy. Diese Nachbarin hatte nicht nur die Affäre von Herrn Feldgrill aufgedeckt, sondern brachte mit aufgeschnappten Teilinfos und Handyfotos auch Stress und Hektik in den Alltag ihrer Mitmenschen. Als erster Wohnungsinteressent erweist sich der Asthma-kranke Hugo-Gottfried Hölzl - glaubwürdig personifiziert von Steffen Banschbach - vor allem als nützlich, als sich herausstellt, dass er als Security-Mitarbeiter einen Transportgriff beherrscht, mit dem er die schon wieder aufgetauchte Hertha aus der Wohnung befördert und den er der Ursel Feldgrill auch beibringt. Interessent Nr. 2 ist Christian Lipp - und für dessen Rolle hatte Markus Rechner unglaublich viel trainiert, denn er redet und redet und redet, stellt Fragen, die er sofort selbst beantwortet. Als es der verzweifelten Wohnungsbesitzerin zu viel wird, übergibt sie den Vielredner an ihre Schwester Rotti und widmet sich Interessent Nr. 3, namens Ludwig Herrmann Leopold Burgabs, der als eleganter Gentleman der alten Schule von Kunibert Schmitt kurzfristig die tragende Rolle des Stücks verkörperte. Denn nach der Bitte um ein Glas Wasser sackt er zusammen und Ursel kann nur noch feststellen: „Rotti, er ist tot!“ Und damit beginnen die Verwicklungen, denn eine Leiche am Wohnzimmertisch ist nicht besonders verkaufsfördernd, und die Aussage nach dem Telefonat mit der 110, die Leiche nicht zu bewegen, bringt schon das erste Hin und Her mit sich. Wieder am Wohnzimmertisch wird der Tote zum geduldigen Zuhörer des immer noch redenden Christian Lipp, Hugo-Gottfried wird von Rotti durch ein Fachgespräch über Zahnpasta-Sorten und Pflege Snacks für Hunde abgelenkt und Nachbarin Hertha interpretiert das Ganze aus ihrem Versteck ebenfalls falsch, die Leiche findet keine Ruhe. Noch nicht einmal, als Polizist Josef „Sepp“ Brüller endlich auftaucht, denn als äußerst korrekter Beamter achtete Mario Gaibler darauf, dass die Leiche, nicht bewegt werden darf. Blöd nur, dass er zuerst die eingeschlafene Rotti für die Leiche hält. Denn die erwacht lautstark und dann stellt er den Tod der richtigen Leiche fest, indem er sie vom Stuhl stößt. Zu dem ganzen Durcheinander, das immer wieder von Nachbarin Gantler heimlich beobachtet wird, kommen als weitere Kaufinteressenten die Tandemfahrer Ottilie und Otto Ottberger (Linda Steigleder und Dominik Grimm), die wirklich alles im Duett tun – auch den Toilettengang. Noch einen setzt Rotti zum Chaos drauf, als sie eine mitgebrachte Flasche Wein fast allein austrinkt. Die Situation eskaliert als die inzwischen abgedeckte Leiche durch einen versehentlichen Schubser von Ottilie wieder vom Stuhl fällt und Nachbarin Gantler von Ursel mit dem neu gelernten Transportgriff der Wohnung verwiesen wird. Als der Stau-verhinderte charmante Dr. Klammer alias Felix Schäfer endlich eintrifft und offiziell den Tod von Ludwig feststellt, verlassen nach und nach – in verschiedenen Fluchtgeschwindigkeiten alle Interessenten die Wohnung, Ursel kommt zu dem Schluss, dass sie die Wohnung mit den vielen Erinnerungen doch nicht verkaufen will und als sie mit ihrer Schwester Rotti den turbulenten Tag resümiert, stellt sie fest: „Angenehm, diese Stille - Totenstille.“ Doch die dauerte nicht lange, denn ohrenbetäubender Beifall war der Lohn für die Leistung der hervorragenden Laiendarsteller, die ihrem Publikum einen fröhlich unterhaltsamen Abend geboten hatten.