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Klingheumatte Schloßau

Eines der wenigen Naturschutzgebiete des Sandstein-Odenwaldes liegt im Westen von Mudau, nahe der Ortschaft Schloßau. Dem Namen des Gebietes nach müßte es hier Heuwiesen geben. Tatsächlich wächst jedoch Wald – und dies schon seit mehr als hundert Jahren, wie alte Gemeindekarten zeigen. Die Lehmböden in den Rottönen des Oberen Buntsandsteins sind weitgehend entkalkt und deshalb basen- und nährstoffarm, außerdem neigen sie zur Staunässe. Unter diesen Bedingungen konnte sich nur ein karger Wald entwickeln. Waldweide und Streunutzung laugten die minderwertigen Böden zusätzlich aus. Der Wald wurde lichter, und es bildeten sich kleine Blößen, die fortan als Streuwiesen genutzt wurden. Stellenweise entnahm man auch Lehm für Holzfachwerk. Mit Einführung der streulosen Stallhaltung und des Kunstdüngers gaben die Bauern die Streumahd auf. Der Wald und die Blößen blieben sich selbst überlassen oder wurden mit Fichten bepflanzt. Mit den Aufforstungen entstanden vermutlich die Gräben, die das Gebiet immer noch entwässern. Der Teil des Waldes, der natürlich gewachsen ist, sieht recht urtümlich aus. Auf staunassen Flächen haben sich seltene Waldgesellschaften und Heiden mit Ansätzen zur Flachmoorbildung entwickelt. Um sie zu erhalten, wurde in den Klingheumatten 1987 ein Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 

Der Schutzzweck laut Verordnung:
Erhaltung eines landeskundlich, kulturhistorisch und waldgeschichtlich bedeutsamen und aufgrund seiner Eigenart und Schönheit reizvollen Waldbestandes mit seltenen Pflanzengesellschaften des Flachmoores und des Birkenbruches als Lebensraum gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.
Geflecktes Knabenkraut

Dactylorhiza maculata

In dem Schutzgebiet stehen vorwiegend lichte Kiefernwälder mit einzelnen Hänge-Birken. Stiel-Eichen, Faulbäumen und Ebereschen. Die Bäume sind schon über hundert Jahre alt und dennoch klein und schmächtig. Die Krautschicht ist aufgrund des hohen Lichtangebotes recht üppig. Neben der Heidelbeere und dem Heidekraut tritt vor allem das Pfeifengras in dichten Herden auf. Mit seiner gelben Färbung schmückt es die Wälder im Herbst. Umgestürzte Kiefern und Birken liefern Totholz als Lebensraum für Ameisen und Käfer. In den Wurzeltellern nisten Wildbienen, zum Beispiel die Lappländische Sandbiene (Heidelbeer-Sandbiene). In morschen Bäumen bauen Bunt- und Schwarzspecht ihre Höhlen. Stehen diese leer, so nutzt die Hohltaube sie als Nistplatz. An nahezu abflußlosen und vernäßten Stellen hat sich ein Birken-Bruchwald entwickelt. Die Baumschicht besteht hier fast ausschließlich aus Moor- und Hänge-Birken, die spärliche Strauchschicht aus Faulbaum, Grau- und Ohr-Weide. Am Boden herrschen Pfeifengras und Heidelbeere vor. In den nassen Senken der ehemaligen Lehmentnahmestellen bilden Torfmoose große Teppiche, in denen lediglich Schnabel- und Stern-Seggen hochkommen. Zwischen den Kiefernwäldern und den Birken-Bruchwäldern liegen offene Heideflächen mit Pfeifengras und Heidekraut. Vor Jahren wuchs hier noch der Berg-Wohlverleih (Arnika); er ist mittlerweile verschollen. Das Gefleckte Knabenkraut hingegen entfaltet nach wie vor alljährlich seine Blüten in den ehemaligen Streuwiesen. Es wird jedoch stark von Weiden-Faulbaum-Gebüsch bedrängt. Auch in den Heideflächen befinden sich ehemalige Lehmentnahmestellen mit Torfmoorpolstern. Die Senken weisen meist einen Durchmesser von 2 bis 5 m auf und sind bis zu 80 cm tief. Vor einigen Jahren wuchs hier noch das Schmalblättrige Wollgras zwischen den Torfmoosrasen. Auch diese gefährdete Pflanze ist mittlerweile aus den Klingheumatten verschwunden.

Berg-Wohlverleih (Arnika) und Wollgras verschwanden Ende der achtziger Jahre, weil die Freiflächen verbuschten und die sumpfigen Bereiche immer öfter austrockneten. In einem Pflege- und Entwicklungsplan der BNL Karlsruhe aus dem Jahre 1993 wird deshalb unter anderem empfohlen, die Streumahd wieder aufzunehmen und die ehemaligen Entwässerungsgräben zu schließen. Außerdem sollen die Fichtenaufforstungen in standortheimische Wälder umgebaut werden. Der Birken-Bruchwald soll sich weiterhin ungestört entwickeln können, und die lichten Kiefernwälder sollen auch in Zukunft zurückhaltend und schonend bewirtschaftet werden. Inzwischen hat man damit begonnen, die ersten Fichtenkulturen auszustocken und die Heideflächen wieder zu mähen.

 

Besucherhinweise:
Das Schutzgebiet ist nicht durch Wege erschlossen und darf auch nicht betreten werden. Das gleiche Waldbild mit Birken, Erlen und Pfeifengras, stufigem Waldaufbau und eingesprengten Blößen kann in unmittelbarer Nachbarschaft des Naturschutzgebietes von befestigten Waldwegen aus betrachtet werden.

Quelle: Andreas Wolf, „Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe“ (Thorbecke-Verlag)