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Mudau

Heute

Der zentrale Hauptort Mudau liegt in 440 bis 470 m Höhe im Quellbereich des Mudbachs und nimmt eine hochflächige, flachwannige Muldenlage ein. Mudau ist der gewachsene Mittelpunkt der Gemeinde und bietet alle Dienstleistungen des täglichen Bedarfs sowie zahlreiche Fachgeschäfte. Mudau ist Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkt. Sowohl Baugebiete als auch Gewerbegebiete sind vorhanden. In Mudau gibt es einen Kindergarten sowie die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Es gibt zahlreiche, bekannt gute, Gaststätten und Cafes in Mudau. Auch das Vereinsleben ist nach wie vor stark ausgeprägt. Seit 1996 ist der Ortsteil Mudau staatlich anerkannter Erholungsort. Das Alte Rathaus aus dem Jahre 1434, die barocke Mariensäule von 1736 oder der Galgen, an dem 1760 die letzte Hinrichtung stattfand, sind nur drei Sehenswürdigkeiten, deren Besichtigung sich lohnt. Für sportlich Aktive bietet der Ortsteil Mudau einen 18-Loch-Golfplatz, ein Laufzentrum für Jogging und Nordic Walking, eine Freizeitanlage mit Minigolfanlage sowie unzählige Wander- und Radrundwege, darunter die Wanderbahn, die auf der ehemaligen Trasse der Nebenstrecke Mosbach – Mudau eingerichtet wurde (die original Dampflok 99 7207 kann man am Endbahnhof in Mudau besichtigen). Ein neu angelegter Spielplatz und ein Bolzplatz sind für die Kinder vorhanden. Die Odenwaldhalle Mudau bietet Raum für zahlreiche Veranstaltungen sowie private Feierlichkeiten.

 

Historisches

Wie bei den anderen Ortsteilen ist eine Besiedlung in vorchristlicher Zeit nicht bekannt. Es ist jedoch sicher, dass die Gewässernamen Mud und Elz von den Kelten stammen, die in den letzten Jahrhunderten vor Christus auch in Süddeutschland siedelten. Licht in das Dunkel kam mit den Römern ab dem Jahr 100 n. Chr. mit der Anlage des Odenwaldlimes und in der Folge des Baulandlimes ab dem Jahr 150 – 160 n. Chr. Einen Römerweg vermutet man vom Kastell Oberscheidental kommend, einen weiteren vom Kastell Schloßau, welche sich an der Ostecke des Auerbergwaldes vereinigten, dieser nördlich des Steinig zum Gewann „Galgen“ zog und von hier, der Wasserscheide als Höhenweg folgend, nach Oberneudorf/Osterburken führte. Jahrhunderte nach den Römern nahmen die Alemannen und Franken Besitz von unserem Raum. Bereits im 7. und 8. Jahrhundert nimmt man eine wichtige Straße an, welche die Klöster Amorbach und Mosbach verband. Gesicherten geschichtlichen Boden betreten wir, als das Kloster Amorbach nach Mitte des 11. Jahrhunderts den so genannten „Silva Otinwalt“ (Urwald Odenwald) von Steinbach als östlicher Grenze bis zur Itter als westliche Grenze, zur Erweiterung seiner wirtschaftlichen Basis, erwarb und den Klosterfronhof Mudau als Mittelpunktsiedlung anlegte, wobei Steinbach und Rumpfen wahrscheinlich schon als Vorposten existent waren. In dem über 100 km² großen Waldareal legte das Kloster den etwa 50 ha großen Fronhof (Atzhof) Mudau unterhalb der heutigen Kirche an und in rascher Folge zehn dem Hof zugeordnete Rodungssiedlungen. Die Besiedlung erfolgte planmäßig, die Bauern waren Leibeigene des Klosters und mussten für das ihnen zur Bewirtschaftung überlassene Gelände Pacht zahlen und auf dem Fronhof einen Teil ihrer Arbeitsleistung zur Verfügung stellen. In der Folgezeit konnten die Klosterbrüder ihren umfangreichen Besitz nicht selbständig verwalten und übertrugen dies weltlichen Adeligen. So stiegen die Herren von Dürn (Walldürn) als Schutzvögte des Klosters zur bestimmenden Kraft des Raumes auf, wobei sie, dem Zeitgeist entsprechend, gleichzeitig dem Kloster Rechte und Besitz „entfremdeten“. Bei der Erbauung der Burg Wildenberg (1171-1226), welche sie zu ihrem Verwaltungssitz machten, mussten die Bauern der Gegend Frondienste leisten, welche in der Folgezeit bei Mudau und anderen Ortschaften auch noch als Frondienste zum „Wildenberger Hof“ fortdauerten. Schon im 13. Jahrhundert, also 150 – 200 Jahre nach seiner Anlage, wurde Mudau unter den Dürn Sitz einer Cent und damit Verwaltungs- und Gerichtsbezirk, sozusagen Zentrum der Macht im Hinteren Odenwald. Zur Cent Mudau gehörten alle Ortschaften der heutigen Gemeinde, erweitert um weitere 16 Dörfer. Mit dem Centsitz in Mudau war auch der kommerzielle Mittelpunkt, wie Viehmärkte, Handwerker, Gaststätten usw. verbunden, so dass sich Mudau vom Fronhof zur Mittelpunktsiedlung mit städtischem Charakter und Funktion entwickelte. Im Jahre 1271 verkauften die Herren von Dürn zumindest die Ortsherrschaft (Vogtei) der Dörfer Mudau, Schloßau, Mörschenhardt, Preunschen, Donebach, Kirchzell und das unbekannte „Diz“ samt Burg Wildenberg an das Erzstift Mainz. Damit wurde Mainz Ortsherr in Mudau und blieb es bis 1803. Im Jahre 1318 erwarb Mainz auch die Centherrschaft und wurde damit Landesherr. Das Klosterurbar von 1395 zeigt uns, dass die Eigenbewirtschaftung des Fronhofes bereits aufgegeben und unter mehreren Bauern aufgeteilt worden war. Das auf ihm ruhende klösterliche Atzungsrecht (Verpflegung) brachte ihm auch die Bezeichnung „Atzhof“ ein. Es gab einen weiteren Hof in Mudau, den, wie schon sein Name sagt, jüngeren Neuhof. Dieser ist wohl durch die Dürner oder Mainzer Vogtsherrschaft angelegt worden. Die Entwicklung im 15. Jahrhundert führte dahin, dass Mudau Marktflecken und zu einer mit Wall und Mauer umgebenen geschlossenen Siedlung wurde, ohne Stadtrechte erhalten zu haben. Im Jahr 1602 gelangte der Neuhof von Mainz an Mudau, Schloßau, Donebach und Mörschenhardt, mit der Auflage ihn zu bewirtschaften. Die Beteiligung der Ortschaften unseres Raumes am Bauernkrieg ist nicht gesichert, aber denkbar. Der Abt des Klosters nannte die zum „Wildenberger Hof“ Fronpflichtigen bei der Zerstörung der Burg Wildenberg als die Hauptschuldigen. Wie alle Dörfer der Region litt auch Mudau an den Folgen des 30-jährigen Krieges. Im Jahre 1803 kam der Übergang an das Fürstentum Leiningen, 1806 an das Großherzogtum Baden. Die Feudalrechte von Leiningen blieben weiter bestehen, so dass man unter einer Doppelherrschaft lebte. Zum 01.01.1973 wurde der heutige NOK gebildet. Ab Anfang der 70er Jahre kam es zur Bildung der heutigen Gemeinde Mudau, welche zum 01.01.1975 endgültig per Gesetz geschaffen wurde. Der Kernort Mudau erhielt dadurch einen teil seiner vor 175 Jahren verlorenen Bedeutung zurück.


Wappenbeschreibung

Räder und Farbgebung des vom Generallandesarchiv vorgeschlagenen und von der Gemeinde 1907 angenommenen Wappens erinnern an die ehemalige Zugehörigkeit Mudaus zum Erzstift Main, der Wellenbalken symbolisiert die Lage am Mudbach. Das Wappen wurde auch für die 1975 gebildete neue Gemeinde als aussagekräftig erachtet und am 6.12.1977 mit der Flagge Weiß-Rot (Silber-Rot) verliehen. Für die Farbe Silber gilt ersatzweise die Farbe Weiß.


Entwicklung der Bevölkerungszahlen

Jahr Anzahl Einwohner
1395 150
1495/96 120-130
1552 200
1610 370-380
1630 430
1659 152
1668 216
1700 355
1750 550-560
1772 638
1803 930
1813 1095
1847 1400
1852 1282
1854 1300
1861 1170
1871 1275
1895 1156
1925 1164
1939 1200
1950 1747
1960/61 1755
1970 2107
1987 2029