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„Licht und Schatten“

Mudau. Unter dem Untertitel „Licht und Schatten“ präsentierten Grund- und Haupt- mit Werkrealschule Mudau sowie Heimat- und Verkehrsverein Mudau ihre zweite Veranstaltung mit Gedanken zur Adventszeit.

Und wie den Reaktionen und Gesprächen des Publikums in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula nach der rd. zweieinhalbstündigen Veranstaltung zu entnehmen war, hatten es die beiden Hauptakteure des Abends – Margot Peterhänsel und Elisabeth Sandel – mit Bravour geschafft, die Schatten des Alltags bei den Anwesenden zu vertreiben und den Abend im hellen Licht erstrahlen zulassen. Rektor Roman Andres hatte eingangs sowohl die physikalische also auch die seelische Bedeutung von „Licht und Schatten“ erläutert, doch vom Erfolg dieses Abends war wohl auch er mehr als überrascht. Margot Peterhänsel stellte er vor als Multi-Talent: „Ihre Werke haben den richtigen Touch Esoterik, der sich auch in den von ihre selbst gemalten Bucheinbänden widerspiegelt“. Veröffentlicht wurden von der Mudauer Autorin bisher das Geschichtenbuch „Garten des Erkennens“, der Gedichtband „Seele aus Eis, Seele in Feuer“, Geschichten unter dem Titel „Von der Verwundbarkeit des Seins“, das Prosamärchen „Ein König“ und ganz druckfrisch „Mein Pfundskerl“. Und genau mit diesem brachte Margot Peterhänsel ihr Publikum zum Lachen und zum Nachdenken. Es ging um „psychosomatische Dystenie“, genauer „um ihre psychosomatische Dystenie“. Das sei gleichbedeutend mit „wenn man was an der Waffel hat“. Offensichtlich war auch ihr Körper, dieses gefräßige, nimmersatte Etwas, das mit „Pfundskerl“ tituliert wurde, der Meinung, sie hätte was an besagter Waffel. Denn er stellte sich grundsätzlich gegen sie, boykotierte jede Schlankheitskur bis zur bitteren Kapitulation mit Schweinshaxe. Dennoch habe sie versucht, über zahlreiche Arztpraxen, Bücher und Gotteslehren den Kampf weiter zu führen. Bis ihr schließlich die Erkenntnis gekommen sei, „eine Freundschaft mit meinem Pfundskerl ist nicht mehr ausgeschlossen“. Doch der Weg bis zur Umsetzung sei lang und nicht unproblemtisch, und einige Rückschläge seien noch heute drin. Das Publikum verstand die Zerrissenheit der Autorin und belohnte sie mit häufigem Spontanapplaus für die humorvolle Schilderung ihres persönlichen und internen Kampfes, der sie schließlich zu folgendem Fazit führte: „Ein menschlicher Körper ist genauso treu wie ein Hund, nur nicht halb so folgsam“. „Das kleine Licht“, das jeder Mensch in sich trägt, war die passende musikalische Einleitung von Elisabeth Sandel zum „Pfundskerl“ von Margot Peterhänsel. „Sie kommen aus der Tiefe und gehen unter die Haut“, hatte Roman Andres die Werke der Liedermacherin Elisabeth Sandel vorgestellt, die diese mit viel Mut zur eigenen Wahrheit und einer würzigen Prise Humor ohne erhobenen Zeigefinger vortrage. Die Heilbronnerin hat 2002 mit einer Kollegin das „Haus der Stille“ in Waldauerbach gegründet. Und die letzten beiden Jahre haben ihren musikalischen Fundus nicht grundlos um einiges erweitert. So kämpfte sie mit dem Gedanken an „Sommer ist jeden Tag Zucchini“ gegen die erste Winterdepression in Waldauerbach „am Ende der Welt“ an und erläuterte, dass „Schatten“ in der Psychologie das sei, was man nicht zeigen will, was im Verborgenen liegt oder was man selbst wirklich nicht von sich weiß. Und mit dem „Lied vom Schatten“ brachte Elisabeth Sandel ein Klischee zu Gehör, das nach ihren eigenen Aussagen so nicht immer stimmt: „Der Mann trinkt, die Frau hält alles zusammen, und die Kinder schaffen es trotzdem.“ Als Heilmittel empfahl die lebensbejahende Liedermacherin: „Hab doch das Leben gern“, egal was in selbigem bisher schief gelaufen ist.“ Schließlich habe jeder auch schon Momente erlebt, die einfach perfekt sind, und genau an diesen könne man immer wieder wachsen. „Saugmiatlich“ machte es sich Elisabeth Sandel bei einem der zahlreichen Stromausfälle in „Waldauerbach, letztes Haus links“, denn „wenn des nur oimol passiert wär, wär des koi Lied worre“. Hier zeigte sich das Publikum so begeistert, dass es nicht nur bei dem überlegenswerten Refrain „Sag, sen mir technisch sonscht net vorne dro, in dem Ländle, wo ma älles außer hochdeutsch ko“ den rhythmischen Part übernahm. Ihre hektische Betriebsamkeit „i will fertig wern“ während der beiden letzten Jahre versucht Elisabeth Sandel mit Meditation und der Frage „Wie geht noch mal beten“ in den Griff zu bekommen. Den harmonischen Schluss des Abends läutete Margot Peterhänsel mit ihrer Weihnachtsgeschichte ein, die einem gequälten Kettenhund im Gespräch mit anderen Tieren, die Hoffnung der Heiligen Nacht und die Zufriedenheit über „den Herrn im Bauch“ von Mensch und Tier näher brachte, bevor unter Begleitung von Elisabeth Sandel der wohl einmalige „Mudauer Aula-Chor“ fest stellte: „Es ist für uns eine Zeit angekommen“. Dankende Worte von Rektor Roman Andres, Hans Slama als Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins sowie Gernot Hauk als Organisator und „Mann im Schatten“ richteten sich primär an die beiden Künstlerinnen, aber auch an das Lehrerkollegium für das gelungene Bühnenbild, an alle Helferinnen und Helfer für die Arbeit „drumherum“ sowie an die Gärtnerei Breunig für das Blumenarrangement.
(L.M.)