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Ernst Hauk präsentiert Dokumentation über Scheidentaler Zeltkirche

Scheidental. So beeindruckend wie das Thema – wenn man sich ein wenig eingelesen hat – so beeindruckend ist auch die Dokumentation von Ernst Hauk über die Scheidentaler Zeltkirche „St Peter und Paul“.

Der passionierte Heimatkundler und Hobbyfotograf hat durch seine Recherchen erstaunliche Zusammenhänge und Symboliken erkannt. Auf die Frage „Was hat Sie dazu bewegt, diese umfassende und wunderschöne Dokumentation zu erstellen?“ fielen ihm sofort mehrere Gründe ein. Am Anfang nutzte er Teile des Material für den Unterricht. Und im vergangenen Jahr wurde er angefragt, ob er nicht beim Seniorennachmittag ein Referat halten könne. Und dann habe ihm die Illustration seines leider schon verstorbenen Kollegen Peter Baumbusch in Wort-, Bild- und Tonmaterial über die Steinbacher St. Martinskapelle unglaublich imponiert. Der pensionierte Rektor der Schloßauer Grundschule war von 1971 bis 1973 Alleinlehrer an der kleinen Scheidentaler Grundschule. Während dieser Zeit hatte er diese Zeltkirche in direkter Nachbarschaft zur Schule kennen und Wert schätzen gelernt. Und die Missachtung dieses Kleinodes durch so viele Mitbürger ärgerten ihn. Nach eigenen Aussagen war Ernst Hauk besonders beeindruckt von den farbenstarken Glasfenstern. Sie seien modern, aber nicht so abstrakt, dass nichts darauf erkennbar wäre. Er beschäftigte sich ausführlich damit und erkannte mehr und mehr ihre Symbolik. Diese erläutert er sehr ausführlich und eindrücklich in seinem Exposé, angefangen von den Motiven über die dazugehörigen Bibelstellen, Symbolik der Farben und weitere Ausstattungsstücke und Plastiken der Kirche. Selbst die örtliche Kirchengeschichte hat Hauk ausgiebig studiert. „Wer sich mit der Kirche näher beschäftigt, bemerkt immer mehr die Einheit zwischen Bauwerk, Kunst und Bibel. Dass nämlich in jedem Teil eine theologische Aussage steckt, dass alle Teile sich wie Mosaiksteine zu einer Gesamtschau verschmelzen, die in der Offenbarung des Johannes den Menschen kundgetan wird.“ Diese Aussage belegt der Autor in seinen Ausführungen, die in der Kirche für Interessierte ausliegen. Wer wenig Zeit hat, kann sich auf die rechten Seiten mit den Fotos und kurzen Erklärungen konzentrieren. Wen das Interesse packt, der hat die Möglichkeit auf der linken Seite ausführlichere Informationen zu lesen. Inzwischen hat er eine Miniausgabe in Heftform auflegen lassen, wovon eines als Geburtstagsgeschenk an Pfarrer Zylinsky und eines für das Ortsarchiv an Ortsvorsteher Klaus Schork ging. Vermutlich wurde die Zeltkirche in Scheidental – ein ungewöhnlicher Bau im Odenwald – gegen den Widerstand zahlreicher Scheidentaler 1964/65 auf Initiative von Pfarrer Schmid gebaut. Dieser war in den 50er Jahren dem Ruf des Bischofs von Stockholm gefolgt und dort sehr beeindruckt von den schwedischen Zeltkirchen gewesen. In Anton Pichl aus Obrigheim fand er damals den richtigen Architekten und in der Kunstglaserei Karl Isele aus Freiburg – St. Georgen den passenden Künstler gefunden. Entsprechend einem Zelt ist der Bau schlicht und nüchtern gehalten für Menschen, die nach dem Bild „vom wandernden Gottesvolk“ nicht ausharren, sondern aufbrechen und weiterwandern wollen in eine verheißungsvolle Zukunft. Der einzige Schmuck waren zu Beginn die farbenfrohen Geschichten in den Fenstern. So zeigen die Fenster auf der Linken Seite im Hinteren Bereich die Wichtigsten Ereignisse im Leben des Petrus, in der vorderen Hälfte die von Paulus. An der Rückfront wird ein Fischernetz deutlich nach der Aufforderung „Von nun an sollt ihr Menschenfischer sein.“ Der Bilderzyklus auf der rechten Seite zeigt neun wichtige Stationen des Lebensweges der Gottesmutter Maria, angefangen von der Verkündigung Jesu Geburt über das Geschehen im Stall von Bethlehem, die Flucht nach Ägypten, die Hochzeit zu Kana, Kreuzweg 4. Station, Kreuzigung, die Pietà bis zu Maria Himmelskönigin und der Vision aus der Offenbarung des Johannes. Selbst Tabernakel, Altar und die wenigen Ausstattungsgegenstände tragen zum harmonischen Ganzen bei. Seine Gefühle für die spätere Ausschmückung sind zwiespältig. Auf der einen Seite sei sein Verständnis dafür etwas größer geworden, da das Herausheben des festlichen den Katholiken nun mal im Blut liege und sie sich in ihrem Gotteshaus wohl fühlen wollen. Andererseits pfusche man dem Künstler nun mal ins Handwerk, wenn man von der Schlichtheit des Zeltes und der Symbolik des herausragenden Fensterschmuckes ablenke. Bei ausreichend Interesse ist der Autor gerne bereit, sein Exposé noch einmal drucken zu lassen oder es zum Selbstkostenpreis in CD-Form weiter zu geben. (L.M.)