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"Ein Kuss für Parzival" wurde begeistert angenommen

Mudau. „Edle Herren, ehrbare Frauen, vernehmt die Kunde ...“ Ja welche Kunde eigentlich? Die von den Mudauern, die zum Entsetzen des einen oder anderen Bürgers in Turbogeschwindigkeit eine Stadtmauer mitten im Ort erstellten?

Oder die von Gauklern, die sich innerhalb dieser Mauern zusammen gefunden hatten, um an drei Abenden jeweils über 700 Theaterbesucher mit viel Kurzweil zu unterhalten? Da gab es den „Hau den Lukas“, das Glücksrad, einen Kräuterstand, Feuerschlucker, Jongleure und einen Gerichtsprozess neben ausreichender kulinarischer Versorgung und so einigen musikalischen Leckerbissen. Oder meinten Ortsausscheller Helmut Korger jr. und sein Trommler Klaus Streib etwa diesen berühmten Dichter Wolfram von Eschenbach in Person von Paul Scheuermann, der mit seinem „Parzival“ Leben in die verschlafene Wildenburg brachte, wo er doch eigentlich Ruhe suchte. Es waren wahrlich viele Kunden, die sich dem „ausverkauften“ Freilichttheater beim Alten Mudauer Rathaus boten. Und Rüdiger von Bergmann hat in seinem „Kuss für Parzival“ gleich drei Paaren nach vielen Wirrungen und Irrungen ein Happy End in wirklich beeindruckender Kulissse gegönnt. Endlich einmal war Mudau nicht nur zur Stadt erhoben, sondern hatte seine eigene Burg – mitten im Ort – und seine Stadtmauer. Und in diese Burg Wildenburg, die man eigentlich seit 700 Jahren schlafend wähnte, da war so viel los, das Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger in seinen abschließenden Dankesworten bei Andreas Fürst zu Leiningen anregte, auch die echte Wildenburg mit Events wieder zum Leben zu erwecken. Für die passenden Erläuterungen im örtlichen Nachbau sorgten Thomas Galm als herrschaftlich anmutender Herold, Mario Zettel als frecher und listiger Narr sowie Harald Grimm als etwas zerstreuter Chronist, der gerne mal Vergangenheit und Zukunft verwechselte. „Unmöglich! Wirklich Unmöglich!“ Bezeichnete Michaela Kistner als Tante Euphemia das Benehmen ihrer jüngsten Nichte Bechta, personifiziert von Anna Porrmann (in Zweitbesetzung Nadine Heck), die zum einen den Dichter immer wieder in seinen Reimen störte und sich zum zweiten strikt weigerte, den vom Vater ausgesuchten Dietmar von Schwanheim (Jürgen Friedel) zu heiraten. Wer hätte auch gedacht, dass dieser vom entlaufenen Schneidergesellen Heinrich, perfekt dargestell) von Andreas Pflüger (Benno Hoffmann) unfreiwillig gedoubelt war. Doch noch einiges mehr störte die Ruhe des Dichters. Am schlimmsten trieb es wohl sein eigener Schreiberling Dax. Siegfried Walz (Carlo Götz) charakterisierte diesen weit gereisten Scholar und Schreiber, der ständig Hunger hatte, dem weiblichen Geschlecht äußerst zugetan war und keinen Blödsinn ausließ. Er war denn auch der Verursacher von einigem Blödsinn und noch mehr Durcheinander. In Bechtas Zofe Freya überzeugte Christine Lorenz und in ihr fand er seine charmante Bezwingerin. In weiteren Rollen erlebte man unter der harmonisch gekonnten Regie von Roman Andres und Gernot Hauk als Haushofmeister Rainer Münch, als Küchenmagd Bianco Slomian, als Hauskaplan mit ständiger Angst vor dem Fegefeuer Hubert Sämann und als Waffenmeister Tobias Schwarz. Des weiteren Thomas Galm, Maximilian Hoffmann, André und Markus Allabar, Kai und Svenja Lorenz, Tobias Dambach, Petra und Herbert Scharmann, Christa Scheuermann sowie Jasmin Mechler mit ihren beiden Tanzgruppen. In der Maske brillierten Beate Volk und Sandra Kuhn und als Souffleuse Ursula Andres. Und alle war über Wochen und Monate mit Begeisterung bei den Vorarbeiten dieses „Kuss für Parzival“ dabei gewesen. Nicht zu vergessen das unglaubliche bühnentechnische Team um Alfred Breunig, Karlheinz Gräber, Werner Hawelka, Willy Kraft und Willi Sämann, das eine Wahnsinnsherausforderung bewältigt hatte. Roland Grimm lobte als Organisationsleiter und 1. Vorsitzender der Bürgerstiftung Mudau vor allem die große Begeisterung der gesamten Truppe, die anscheinend auch auf das Publikum des Premierenabends übergesprungen war, denn der Beifall nach einem – mit Spektakel und Pause – über vierstündigen Abends wollte fast kein Ende nehmen. Die letzte Möglichkeit, dieses außergewöhnliche Spektakel selbst mit zu erleben, wird am Montag, 12. Juli ab 19 Uhr sein. (L.M.)