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Michael Ehnert bei Mudau G'schmackvoll

Mudau. „Technische Probleme in der Mudauer Odenwaldhalle“ waren nach Aussage von Uwe Lenz als Moderator des Gesangverein „Frohsinn 1842“ Mudau in der Werbeplattform „Mudau G’schmackvoll“ der Grund gewesen, dass Michael Ehnert sein Programm kurzfristig umstellen mußte.

Für den Profi aber scheinbar kein Problem. Statt „HeldenWinter“ konnte das „erlesene“ Mudauer Publikum das 2004 entstandene und mit dem „Prix Pantheon 2005“ sowie dem „Deutschen Kabarettpreis 2005“ ausgezeichnete Soloprogramm „Mein Leben“ genießen. Eine Lebensbeichte der besonderen Art, wobei nicht immer klar wird, „ist es jetzt eher zu lachen oder zum weinen“. Es hat was dramatisches, wenn der Möchte-gern-Macho mit annähernd 40 Jahren langsam, aber sicher einsehen muss, dass ihm doch so einiges an Coolness und bürgerlicher Courage fehlt. Warum sonst schafft er es einfach nicht, seine Meinung durch- oder sich mit Erfolg für Gerechtigkeit einzusetzen, sondern kriegt in regelmäßigen Abständen und auf die unterschiedlichste Art und Weise immer wieder „auf’s Maul“. Diese Beichte ist eine „Ein-Mann-Show“, die die fundierte Schauspiel-Ausbildung von Michael Ehnert verdeutlicht. Er versucht sich zunächst als Polit-Kabarettist und verkündet, das Angela Merkel die 35-Stunden-Woche wieder einführen will. Zumindest für diejenigen, die halbtags arbeiten. Die anderen sollten auf 55 bis 60 Wochenstunden aufstocken. Was notwendig sei, solange dreieinhalb Millionen Menschen in Deutschland „keinen Bock“ auf Arbeit haben. Spätestens hier merkt er – Politik ist nicht seins, denn er hat schon vor Jahren seinen Standpunkt verloren. Aber wann eigentlich genau? Und dabei fällt ihm auf, er hat im Laufe seiner Tourneezeit ja noch viel mehr verloren: Neben dem Laptop mit sämtlichen Kabarett-Programmen und dem Adressbuch mit 200 Einträgen, vor allem die Selbstachtung, das Selbstbewußtsein, die eigene Seele und das Vertrauen in die Bahn. Und dann sucht ihn auch noch dieser Bandscheibenvorfall heim. Hat er sich einmal zuviel der Übermacht anderer gebeugt oder wie kann das passieren mit nicht mal vierzig Jahren. Vom begehrten Chirurgie-Patienten wird der nicht privat Versicherte zur eher unwichtigen Krankenhaus-Nummer, bis er sich auf Empfehlung eines Leidensgenossen an eine Osteopathin wendet, die ihm aber durch ihr ganzheitliches Wissen auch unheimlich wird. Als nächste Anlaufstelle findet er eine Schamanin, mitsamt ihren „Hilfstruppen“, die er zwar nicht wirklich versteht, aber zumindest akzeptiert. Zumindest solange bis ihm sein eigenes sechsjähriges Ich gegenüber steht. Ein Moment, den er zunächst erfolgreich als „nicht vorhanden“ verdrängt, dem er sich aber im Laufe des fortschreitenden Abends immer intensiver stellt. Dadurch wird seine Bewunderung für „den Paten“ Marlon Brando mindestens genauso deutlich wie für den Vater, der einfach handelte ohne lange zu diskutieren oder zu fragen. Auf diese Weise verwirklicht sich das Zitat von Meister Eckehart „Wenn die Seele etwas erfahren möchte, dann wirft sie ein Bild der Erfahrung von sich nach außen und tritt in ihr eigenes Bild ein.“ Mit dem Schauspieler und Kabaretisten Michael Ehnert schloß „Mudau G’schmackvoll“ sein Jahresprogramm 2007 genau auf dem hohen Niveau, mit dem es die Serie begonnen und das sich die Werbeplattform mit ihren Sponsoren zur Devise gemacht hatte. (L.M.)