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Kurzweilige Zeitreise durch 750 Jahre Geschichte

Mudau. (lm) In drei Dingen waren sich die Grußwortredner bei der Jubiläumsveranstaltung zu 750 Jahre Ersterwähnung von Donebach, Mörschenhardt, Schloßau, Mudau, Kirchzell, Buch und Preunschen absolut sicher: Erstens dankte man dem Heimat- und Verkehrsverein Mudau mit seinem 1. Vorsitzenden Hans Slama für diese trotz Corona-Einschränkungen hervorragend gelungene Jubiläumsveranstaltung. Zweitens könne der strapazierte Begriff „Heimat“ auch für eine geistige Heimat eingesetzt werden, aber vor allem sei Heimat für jeden da, wo sein Herz schlage. Und schließlich war man sich auch einig, Zukunft braucht Herkunft und darum feiere man an diesem Abend nicht nur die jeweilige Geschichte, sondern vor allem auch die gemeinsame Zukunft. Mudaus Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger sah nach dem kurzweiligen Festvortrag vor allem die positive Entwicklung der genannten Ortschaften und wie lohnenswert sich die Zukunftsplanung im Odenwald gestalte. Außerdem dankte er dem HVV auch für das Aufstellen des von Kim Hiller geschaffenen 750 Jahr-Gedenksteins vor dem örtlichen Rathaus. Landrat Dr. Achim Brötel, der auch für seinen Miltenberger Kollegen Jens-Marco Scherf sprach, lobte Hans Slama für sein geballtes Wissen mit den Worten „Wenn wir es nicht besser wüssten, könnte man fast meinen, Sie wären schon damals mit dabei gewesen, an jenem 19. Mai 1271“, eben bei dieser urkundlichen Ersterwähnung der genannten Orte im Zusammenhang mit dem Verkauf der Burg Wildenberg durch Ulrich von Dürn an den Mainzer Erzbischof Werner Eppstein. Stefan Schwab bestätigte als Bürgermeister des Markts Kirchzell die urkundliche Ersterwähnung vor 750 Jahren, obwohl alle genannten Gemeinden bereits sehr viel länger besiedelt sind. Im Gemeindearchiv habe er ein Protokoll gefunden, nachdem Kirchzell im Vertrauen darauf bereits vor 50 Jahren eine Woche lang sein 1200jähriges Bestehen gefeiert habe. Helmut Korger betonte als Sprecher der Mudauer Vereine, dass vor allem die vielen etablierten Vereine und Organisationen das Leben im Odenwald so lebenswert machen und bezeichnete den HVV als das unverzichtbare historische Gedächtnis der Gemeinde und darüber hinaus. Und Walter Herkert ging als Vertreter des Vereins örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach darauf ein, dass die rd. 25 Generationen der letzten 750 Jahre hier im Odenwald trotz Bauernkrieg, 30jährigem Krieg, Pest und Hungersnöten nie aufgegeben, sondern sich mit Charme eine Lebensqualität geschaffen haben, die es gelte, in Zukunft zu erhalten. Er betonte auch, dass wer sich mit Geschichte beschäftige, immer wieder interessante Zeitreisen unternehme. Und auf eine solche Zeitreise hatte Hans Slama die geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Vereinen der „Jubelgemeinden“ in seiner Festrede, die mit 80 Bildern einer Power-Point-Präsentation bereichert war, mitgenommen. Die Reise begann bei den Kelten und danach den überall noch belegbaren Römern über 1.000 Jahre vor dem 19. Mai 1271 und führte weiter ins 3. Jhrd. als die Burgunden nach dem Fall des Limes durchs Maintal zogen, die bis heute mit den Nibelungen untrennbar mit dem Odenwald verbunden sind. Als neueste Attraktion gilt der wild-romantische Nibelungensteig. Neben den wechselnden politischen und kirchlichen Mächten des gesamten Odenwalds beschrieb Hans Slama in seiner Zeitreise auch den Einfluss der diversen Klöster, die Bedeutung von Neckar und Main als Haupthandelsstraßen, aber auch die diversen Machtkämpfe, z.B. zwischen dem Erzstift Mainz und der Kurpfalz. Ein wichtiges Thema waren auch die unterschiedlichen Flurkonzepte sowie die Eigentumsverhältnisse der Wälder, die sich bis heute auswirken. Wie wichtig die Mühlen für die Bewohner des Odenwaldes, und wie anfällig in Kriegszeiten waren, wurde ebenso deutlich, wie die einstige Pracht der Burgen, bei deren Bau oft Frondienste der Bauern erzwungen wurden. Slama beschrieb die Zehnt Mudau, die durch ihre zahlreichen Märkte, darunter überaus qualifizierte Viehmärkte, sowie durch die fast durchgängige Gastronomie in der Hauptstraße als wichtiges Zentrum des Odenwalds bekannt geworden ist. Als letztes der 80 Abbildungen zeigte der Vortrag Schloss Waldleiningen, in dem heute eine psychosomatische Fachklinik untergebracht ist, das aber auch als beliebtes Ausflugsziel mit Führungen genutzt wird. Hans Slama hatte seine interessierte Zuhörerschaft auf eine rasante und überaus kurzweilige Zeitreise von weit über 750 Jahren mitgenommen. Doch wer Mühe hatte, dem Tempo zu folgen, der konnte dank der ebenfalls vorgestellten Sonderausgabe zum 750-Jahre-Jubiläum (mit der laufenden Nr. 6) im Rahmen der Schriftenreihe des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau für obligatorische 750 Cent die Reise in einer gemächlichen Gangart zuhause wiederholen. Hervorragend musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch Ralf Breunig am Klavier, der mit romantischer Musik begann und mit der Badischen Hymne mehr als passend den offiziellen Teil des Abends beendete.