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Geopark Vorort-Veranstaltung ruft Hexenprozesse in Erinnerung

Mudau. Es war schon etwas unheimlich. Die große Menge an „Schaulustigen“, die schweigsam zum Trommelwirbel vor dem Alten Rathaus der Dinge harrten, die da kommen sollten. ,,Hexenprozesse, Zauberer, Teufeleien und das Leben von Beeren, Besen und Bettel“, kennzeichnen den Inhalt einer erweiterten Geopark-Vorort-Führung am vergangenen Sonntag.

Und wie grausam, die „Gute Alte Zeit“ tatsächlich war, verdeutlichten Hans Slama und sein Theater-Team sehr eindringlich. Auch auf dem weiteren Ortsrundgang durch und um Mudau erfuhren die zahlreichen Teilnehmer viel Wissenswertes über die Kulturgeschichte des Odenwaldes, vor allem am historischen Galgen. Doch unvergesslich bleibt den Besuchern sicher die Spielszene zu den Hexenprozessen der Geopark-Vorort-Führer Gruppe, die auch im Mudauer Odenwald mit großer Heftigkeit tobten. Mehrere hundert Hinrichtungen sollen es gewesen sein und insbesondere der ,,Schadenszauber“ war in der hiesigen Region geläufig. Es musste nur einer neidisch auf jemanden sein oder demjenigen Böses wollen. Wer überzeugend darlegte, dass „die Hex“ schuld an seinen Läusen und Flöhen oder verstorbenen Viechern ist, konnte diese schon in die Folter und zur Hinrichtung bringen. Wie der Hobby-Heimatforscher Hans Slama berichtete, bezweifelte noch um 1800 niemand die Existenz von Hexen, Zauberern und allerlei Teufeleien. Am Alten Rathaus, dem ehemaligen Zentrum der Macht, unter der „Gerichtslinde“ wurden die Gerichtsszenen nachgestellt, beispielsweise wie es Katharina Lengenfelder aus Reisenbach, Margaretha Haberkern aus Galmbach oder dem Schultheißen von Mudau bei der Anklage im Jahre 1573 ergangen war. ,,Ebenso werden wir die ehemaligen Geschehnisse am Mudauer Galgen ins Bewusstsein rücken“, sagte der Geopark-Führer. Aufgrund der kalten und kargen Landschaft hießt es noch in den 20er Jahren, dass die Bewohner von Beeren, Besen und Bettel leben. Bei der Führung wurde somit nicht nur den wirtschaftlichen Verhältnissen auf den Grund gegangen, sondern auch das politische und gesellschaftliche Umfeld der damaligen Zeit beleuchtet. Wie sah der ,,Bembel“ vor dem Brand von 1849 aus und wie die damalige Befestigung der ,,Stadt“ Mudau? Am Mudauer Galgen erfuhr man auch Interessantes darüber, wie die im dortigen Waldgebiet hausenden Räuber ,,der schwarze Hans“ oder der ,,Krämermathes“ gelebt haben und warum gerade im Odenwald die Räuberbanden so gehäuft auftraten. Auf dem Rückweg präsentierte Hans Slama den Rundgang-Teilnehmern als besonderes Bonbon dieser Zeitreise der besonderen Art Gebrauchsgegenstände, die man nachgestellt hat. Sein aufmerksames Publikum dankte ihm mit viel Beifall für den kurzweiligen Nachmittag. (L.M.)