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Geschichtliche Zeitreise auf der Burg Wildenberg

Der Wettergott meinte es gnädig, mit der Begrüßung der Teilnehmer an der von der Gemeinde Mudau veranstalteten Geopark-vor Ort-Wanderung zur Burg Wildenberg in Donebach, hörte der Gewitterregen auf.

Bei herrlichem Wetter und Sonnenschein führte Bernd Fischer die etwa fünfzig Wanderer über die Odenwaldhöhe ins Inglatstal, wo sich ein herrlicher Blick dem Mudtal entlang über das Kloster Engelsberg hinein in den Spessart eröffnete. Der Weg führte über die Landesgrenze nach Bayern, wo den Teilnehmern über die Entstehung dieser Grenze vor knapp 200 Jahren berichtet wurde. Die Grenzziehung schnitt für viele Jahrzehnte den Raum um Mudau von Amorbach und dem Untermain ab, auf den sie Jahrhunderte lang hinorientiert war. Dadurch geriet vor allem Mudau in den Verkehrsschatten, was für die Gemeinde schwerwiegende Folgen hatte.
Nach 90 Minuten war Burg Wildenberg erreicht. Bernd Fischer erzählte vom Erbauer der Burg – Ruprecht von Dürn – , seinem Leben am Hof der Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich VI., und seiner Schutzherrschaft über das Kloster Amorbach. Fischer kam auch zu den nicht unbestrittenen Verbindungen Ruprechts zum Dichter Wolfram von Eschenbach zu sprechen, der ja nach Meinung einiger Fachleute auf der Burg sein Hauptwerk „Parzival“ verfasst haben soll. Diese Vermutungen brachten der Burg in den 1920er Jahren die Bezeichnung „Wildenberg – die Gralsburg im Odenwald“ ein und umgab sie mit sagenhaftem Raunen. Er erzählte auch vom Untergang der Burg am 4. Mai 1525; Bauern verbrannten die von ihrer Besatzung verlassene Burg. Götz von Berlichingen, der damals Hauptmann der Bauern war, berichtete in seinen Lebenserinnerungen von diesem Brand. Ein anderer Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, verarbeitete die Nennung der Burg in seinem Theaterstück, das er nach Götz von Berlichingen nannte. Die Besucher waren angetan von diesem Kleinod unter den deutschen Burgen.
Der Rückweg führte über den heute geheimnisvoll wirkenden, 1824 von der Fürstin zu Leiningen angelegten sog. Teeplatz oberhalb der Burg und über das „Watterbacher Haus“ bei Preunschen. Dort konnten die Teilnehmer die beiden Burgmodelle betrachten, von denen eines die Burg als Ruine, das andere aber als Rekonstruktion zeigen. Der Erbauer der Modelle, Herr Merz von Neunkirchen, dessen Arbeiten z.zt. im Watterbacher Haus ausgestellt werden, erläuterte den interessierten Teilnehmern die beiden Modelle und mancher konnte sich jetzt noch besser in die Zeit hineinversetzen, in der die Burg noch stand und zuerst Residenz der Edelherren von Dürn, dann aber Verwaltungssitz der Vertreter der Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz im Oberamt Amorbach war. Der geplante Aufenthalt von einer Stunde auf der Burg war fast zu kurz für die vielen Fragen, die die interessierten Teilnehmer der Wanderung zur Wildenburg und ihrem Schicksal stellten.