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Konfessionsgeschichte im Raum Mudau beleuchtet

Zu diesem Thema im Lutherjahr hatte der Heimat- und Verkehrsverein Mudau zusammen mit der Ev. Kirchengemeinde eingeladen. Wie sich zeigte war dies ein voller Erfolg, denn Frau Pfarrerin Rebecca Stober konnte erfreut im bis auf den letzten Platz gefüllten Kirchensaal den Referenten und Regionalhistoriker Markus Wieland begrüßen. Hans Slama stellte in seiner Begrüßung fest, dass man wohl den richtigen Ort gefunden habe und konnte auch erfreulicherweise den kath. Geistlichen Pfarrer Vornberger begrüßen. Eingangs stellte er die Frage ob schon einmal eine anwesende Person, trotz Prägung des Elternhauses die Konfession geändert habe, eine Person meldete sich. Dies hat eine lange Tradition, denn immerhin war ehemals Religion eine Angelegenheit des Landesherren. So ist es auch in Mudau, das seit einem Jahrtausend katholisch geprägt ist. In der Reformationszeit wurde der reformierte Glaube auch ins Gemeindegebiet hineingetragen, allerdings haben das Bistum Würzburg und der Landesherr Mainz alle Bestrebungen rigoros unterdrückt. Die dem lutherischen Glauben zugeneigten Pfarrer, teilweise verheiratet, wurden nicht geduldet. Während des 30 j. Krieges in der Schwedenzeit flüchteten die kath. Geistlichen und es wurden Siedler katholischen Glaubens ins Land geholt. Ganz anders sah es an den Gemeindegrenzen aus. Waldhausen wurde zwangsweise rekatholisiert und im pfälzisch-lutherischen Ferdinandsdorf siedelten die konvertierten Grafen von Wiser Bauern aus dem Gemeindegebiet Mudau an. Sie ließen sogar die lutherische Kirche besetzen. Auch aus unserem Gemeindegebiet verließen viele Menschen aus religiösen Gründen ihre Heimat. Er wies darauf hin, dass die katholischen und evangelischen Orte eine unterschiedliche Entwicklung genommen haben, z. B. das Fasnachtsbrauchtum das in ev. Orten mehr auf die Kerwe überging, die Bildstöcke und Marienverehrung in den katholischen Gebieten und auch, dass es bei den offensichtlich lebenslustigeren Katholiken im 19. Jh. mehr uneheliche Kinder gab. Er wies noch darauf hin, dass Martin Luther die Welt verändert hat, Glaubenskriege geführt wurden und dass er heute wohl mehr als der nette pausbäckige Onkel in der Mönchskutte wahrgenommen wird, der auch mal flegelhafte Worte sagen darf. Am Ende stellte er noch den Pfeiffer von Nicklashausen vor, mit dem 1476 revolutionären Geist in den Odenwald eindrang und der vom Würzburger Bischof verbrannt wurde. Die Asche wurde in den Main gestreut und die Opfergelder teilten sich Würzburg und Mainz. 500 Jahre später herrschen nun Glaubensfreiheit und Demokratie und niemand muss um des Glaubens willen um sein Leben bangen.
Markus Wielandging in seinem Referat darauf ein, dass im Kreisgebiet die Herrschaft lange Zeit in das Geschehen kaum eingegriffen hat. Nachdem der Bauernkrieg die Berufung auf das Evangelium durch den gemeinen Mann zum Scheitern gebracht hatte blieb der reformatorische Geist erhalten. Während sich die Odenwälder Ritterfamilien meist zurückhielten war es im Kraichgau anders gelagert. Die Landschad von Neckarsteinach führten schon in den 1520er Jahren ev. Gottesdienste ein. Es folgten die von Gemmingen, Berlichingen, die Horneck, Hirschhorn und auch im Bereich Zwingenberg mit dem Winterhauch, auch die Grafschaft Wertheim. Dadurch sicherten sich die Ritter auch Einnahmen und Rechte. Die Pfälzer waren im Schmakaldischen Krieg, wie auch die Erbacher nicht kaisertreu und erlitten Verluste. Nachfolgend wurde die Kurpfalz 1556 lutherisch, Erbach im Osten an der Gemeindegrenze im Jahre 1560, auch die Herren vom Breuberg. Die Pfalz wurde 1562 sogar calvinistisch. Untereinander war man nicht gut aufeinander zu sprechen. Die Calvinisten zerstörten im 16. Jh. die religiösen Denkmäler, verboten Kinderspiele, Bettler erhielten nichts usw..Damit musste auch die jeweilige Bevölkerung den Glauben des Landesherren annehmen. Mittlerweile setzte auch die Gegenreformation ein und es gab vielerlei Bemühungen der jeweiligen Territorialherren, von denen es in Deutschland etwa 2000 gab. Der 30 j. Krieg berührte die Geschicke der Konfession mehrfach. Allerdings hatte er keinen endgültigen Wandel geschaffen. Die Konfessionsverhältnisse wurden auf das Jahr 1624 festgeschrieben, in der Kurpfalz allerdings auf die Zeit vor dem Prager Fenstersturz und hier gab es noch Bewegung. Ab 1685 rekatholisierte die Pfalz hochgradig, die Ritterorte blieben aber lutherisch. Es kam in der Folge zu den Kirchenteilungen wobei es zu Schlägereien kam und seitdem ist die Stiftskirche in Mosbach geteilt. Die Scheidemauer trennte den katholischen Chor vom reformierten Langhaus. Auch in Rittersbach, Schefflenz, Strümpfelbrunn, Fahrenbach usw. kam es zu Kirchenteilungen. Bis auf Mosbach sind diese Scheidemauern heute entfallen. Zwischenzeit ich war es auch 1656 zu einem Gebietsaustausch zwischen Mainz und Würzburg gekommen was zu neuen Diözesaneinteilungen führte. Nicht unerwähnt und als Verdienst der Reformation soll bleiben, dass das Schulwesen gefördert wurde.
Durch die Veränderungen der napoleonischen Zeit war die alte Reichkirche in ihrem Grundbestand erschüttert. Die neuen Staaten (1803/06) versuchten alle maßgeblichen Einfluss auf das kirchliche Leben zu gewinnen. Insbesondere das Großherzogtum Baden wirkte sehr aktiv. Das Haus Leiningen, das als ev. Landesherr ins kath. Gebiet kam hatte einen eigenen reformierten Kirchenrat in Mosbach. Der Kulturkampf im 19. Jahrhundert führte nicht nur zur Trennung von Kirche und Staat sondern auch zur Diskriminierung der kath. Bevölkerung. Dies führte in Baden zur Spaltung zwischen den Nationalliberalen (lutherisch und Regierung) und dem Zentrum (Katholiken). Bei den Katholiken gab es weniger Studenten und sie waren in den politischen Ämtern unterrepräsentiert, aber Selbstmordrate war geringer. In der Folge engagierten sich die katholischen Pfarrer sehr stark politisch was bis in die Nachkriegszeit mit Wahlaufrufen von der Kanzel herab anhielt. Dieses Wahlverhalten hält, so der Referent bis in die heutige Zeit mit sich abschwächender Tendenz an. Mit der Weimarer Republik stellte sich 1918 die Religionsfreiheit ein wie sie heute im Grundgesetz verankert ist. Waren der Fürst von Leiningen mit seiner Familie und den Bediensteten vor 200 Jahren die einzigen Evangelischen in der Gemeinde, nahm der Anteil durch Eisenbahner und Geschäftsleute mit der Zeit nur langsam zu. Erst durch den Zuzug von Ausgebombten, Evakuierten und Heimatvertriebenen hat der Anteil heute fast die 10 % Marke erreicht.
Sowohl Frau Parrerin Stober als auch Hans Slama dankten dem Referenten mit einem kleinen Präsent für den kurzweiligen und mit viel Applaus versehenen Vortrag