Schriftgröße: a a a | SitemapDatenschutz | Impressum | Kontakt
Seite drucken

Auch in Mudau begeisterte die Laienspieltruppe

Mudau. (lm) Schon nach dem Vorverkauf war klar, dass die erste Vorstellung 400 Stühle füllen wird, doch auch die zweite Vorstellung des Lustspiels „Wegen Erbschaft geschlossen“ von Günther Philp war „ausverkauft“, denn es zeigte „geringfügig überspitzt“ einen Erbschaftsstreit „wie im täglichen Leben“ – und das mit Herzblut und überragender Mimik und Gestik als wirklich glanzvolle Leistung von der versierten Laienspieltruppe interpretiert. Zur Geschichte: Jakob Meyer, Gastwirt und Grundbesitzer, ist auf einer Urlaubsreise nach Südamerika verschollen. Seine Schwestern Gund und Lore lassen ihn für tot erklären, um an die Erbschaft kommen zu können. Doch vor seiner Abreise hat Jakob mit Ilona und Marianne zwei ebenso resolute wie gegensätzliche Frauen als Geschäftsführerinnen eingesetzt, die in dieser Kombination als Dreamteam agieren, auch wenn sich die eine der männlichen Avancen und die andere der Attacken handgreiflicher Fremder zu erwehren hat, was ihnen jedoch mittels Mistgabel und Bratpfanne hervorragend gelingt. Besondere Dynamik erfährt das Stück, weil die Schwestern, Gerichtsvollzieher Friedrich, Elektriker Gerd, Nachbar Sepp sowie die jung verliebte Elke mit ihrem Jürgen in kürzester Zeit mit ihren Anliegen, Wünschen und Forderungen für Verwechslungen und Verwirrungen sorgen. Als dann auch noch der verstorbene Jakob auftaucht, wird er kurzerhand als Geist geoutet, den man mit Knoblauch und Geisterbeschwörung zu vertreiben versucht. Erst nach einer turbulenten Nacht, bei der ein Schrank als mysteriöses Medium bzw. Versteck von Jakob und Testamentswertsachen fungiert, wird der Gastwirt wieder als lebendig und geschäftsfähig anerkannt. Den Jakob Meyer spielte Gerald Hemberger in der von ihm gewohnten Souveränität routiniert und authentisch. Der schwäbische Gerichtsvollzieher Friedrich (Daniel Herkert) und der kurpfälzische Schwiegersohn Jürgen bestechen außerdem durch ihre lebensechten Dialekte , die ihren Charakterrollen eine besondere Note verliehen. Nachbar Sepp – Verehrer von Ilona und Fachmann für Geisterbeschwörung – wurde von Paul Scheuermann in ebenso ansprechender wie erheiternden und realen Art und Weise verkörpert. Als Topbesetzung galt auch Timo Huberts in der Rolle des Elektrikers. Denn was dieser an körperlichen und verbalen Attacken einstecken musste, war hervorragend und herzerfrischen dargeboten. Die dominanten Frauenrollen erfüllten alle Darstellerinnen mit Bravour. Martina Drabinski gelang in der Rolle von Gundas Tochter Elke sehr gut der Spagat zwischen töchterlicher Anhänglichkeit und ihrer Liebe zu Jürgen. Anette von Wedel spielte die nach allen Seiten offene Ilona in hervorragender Manier, wobei sie gleichzeitig die unterschiedlichen Interessen koordiniert. Ganz anders setzte sich Michaela Kistner als tölpelhafte und einfältige Marianne mit Mistgabel und Bratpfanne durch. Sie setzte dabei zum Schrecken ihrer Mitspieler ihre Interessen so überzeugend überwiegend physisch durch, dass die Odenwaldhalle unter den Lachsalven des Publikums erbebte. Vor allem, weil Regisseur Roman Andres auch bei den geldgierigen Schwestern Gunda und Lore mit Gaby Link und Ursula Link eine Idealbesetzung gelungen war. Für die perfekte Maske zeichnete Beate Volk und für das gelungene Bühnenbild Manfred Dambach verantwortlich und als Souffleuse agierte Ursula Andres.