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Theodor Schölligs "Mudemer Krippenbild" fasziniert bis heute

Mudau. Es strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus, das Krippenbild, das der Mudauer Odenwaldmaler Theodor Schöllig vor genau 80 Jahren der Pfarrkirche St. Pankratius schenkte.

Sein Großneffe Roland Grimm erinnert sich, dass er sich nur die Farben bezahlen ließ für dieses große und gelungene Meisterwerk, das zum einen seine präszise und liebevolle Beobachtung der Natur widerspiegelt, die er als sinnerfüllte und zielgerichtete Schöpfung verstand, zum zweiten seine tiefe Gläubigkeit. Die drohenden Wolken am Himmel reißen auf und zeigen ein unglaubliche Lichtquelle, die jedoch nicht von dem abnehmenden Mond am oberen rechten Bildrand herrührt. Pfarrer Werner sieht in der Stadt, die dominant das Bild beherrscht, das Jerusalem vor seiner Zerstörung im Jahre 70. Er sieht darin den mächtigen Salomontempel, von dem heute nur noch die Klagemauer steht. Er sieht die typischen Bauten der damaligen Zeit mit ihren Kuppeln und eines der zwölf Tore, durch die die heilige Familie ebenso gegangen ist wie die drei Weisen aus dem Morgenland. Und er ist ebenso beeindruckt von der Liebe zum Detail, die Theodor Schöllig in seinen Werken auszeichnet, wie alle weiteren Betrachter des Krippenbildes. Theodor Schöllig lebte von 1892 bis 1980. Der gelernte Sattler arbeitete nach der Lehrzeit in Frankfurt a. M., in Mainz, Pforzheim, Karlsruhe und Groß-Felda bei Gießen, bevor er in Heidelberg seine Meisterprüfung bestand. Und egal, wo er war, er fand gute und bekannte Lehrmeister oder bildete sich auch künstlerisch in entsprechenden Schulen fort. Als er im Mudauer Bembel selbständig und sesshaft wurde, richtete er sich zeitgleich Werkstatt und Atelier ein. Und auf seinen ausgedehnten Wanderungen holte sich der Kunstmaler, der seit dem Ersten Weltkrieg schwerhörig war, seine Inspirationen für Kohle-, Rötel-, Federzeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Ölgemälde. Wo er die Kenntnisse und Ideen für das Mudauer Krippenbild hernahm, ist nicht mehr nachvollziehbar. Aber zweifelsfrei ist es ein überaus gelungenes Exponat des Odenwaldmalers und man sieht, dass ihm auch kleine Besonderheiten bedeutsam sind und er gibt ihnen entsprechende Berücksichtigung in der Bildgestaltung. (L.M.)