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Kraftvoller Auftakt von "Mudau Aktiv - Programm 2009"

Bei herrlichem Frühlingswetter sammelten sich am vergangenen Sonntag, 26.04. kurz vor 10.30 Uhr fast 150 Wanderbegeisterte in Schloßau an der Schule und machten sich unter der Leitung des Geoparks Vorort Begleiters Bernd Fischer auf, um an diesem Tag das Zentrum des ehemaligen "Fürstlich Leiningischen Wildparks" zu durchwandern.

Steil ging es die Teufelsklinge hinab. Unterwegs an einem Haltepunkt informierte Bernd Fischer seine Mitwanderer über die Entstehung und den Umfang sowie die Dauer des Bestands dieser bedeutenden adligen Jagdeinrichtung rund um das ehemalige Jagdschloss Waldleiningen. Er berichtete über den Aufkauf der Dörfer Neubrunn, Galmbach, Breitenbach und Dörnbach und vergas auch nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Parks für die Einwohner der Dörfer in der Umgehung zu erwähnen.

Nach einer Stunde in Ernsttal angekommen, erfuhren die Wanderer von der vom Fürsten vorfinanzierten Parkstraße Amorbach-Eberbach, der wichtigen Verkehrsader durch diesen Teil des Hinteren Odenwaldes und nach Waldleiningen. Damals entstand in Ernstal neben der landwirtschaftlichen Ökonomie des Fürsten, eine Poststation mit Gasthaus und Schmiede sowie eine Försterei. Schließlich zeigte Fischer ein altes Werbemittel der Fürstlich Leiningische Lager- und Exportbier Brauerei und wies auf die Reste des Brauereigebäudes hin, den Eisweiher, die weitläufigen Eiskeller, die Küferei, die Gambrinus- und Faßbierhalle hin.
Bei den Gutsgebäuden vor dem ehemaligen Rentamt erzählte der Geo-Begleiter von der Mudauer Revolution, als in den Märztagen des Jahres 1848 Mudauer Revolutionäre nach dem Fürstlich Leiningischen Rentamt in Ernstal zogen und Dokumente und Akten verbrannten in der Hoffnung dadurch ein für allemal von den sie bedrückenden Abgaben an ihre Standesherrschaft befreit zu sein. Wenige Tage darauf fanden in der Gaststube zum Prinzen Ernst zwischen den badischen Behörden und dem bayrischen Militär Verhandlungen statt, worauf bayrische Soldaten den Schutz des Wildparks übernahmen und auch der Wilderei ein Ende bereiteten.

Dann ging es hinüber zum 2 km entfernten, reizvoll gelegenen Schloss Waldleiningen. Die Wiesenflächen unter den Bäumen des im englischen Stil angelegten Park um das Schloss boten sich für eine kurze Mittagsrast an. Bevor sich die Wandergruppe vom Talgrund um das Schloss verabschiedete, erfuhr sie noch von der Entstehung des ersten romantischen Jagdhauses, dann von den entschlossenen Bauarbeiten durch den Fürsten Karl Emich und vom Besuch seiner Stiefschwester Victoria, der Königin Großbrittaniens, bei der Einweihung des Jagdschlosses im Jahre 1842. Wie dann Fürst Ernst das Schloss zur Residenz ausbaute und mit der Errichtung der neugotischen Kapelle 1865 vollendete. Natürlich kam auch die heutige Nutzung als Sanatorium zur Sprache.

Über den Pass des Hohbergs ging es durch das Kastaniental hinab ins Tal des Breitenbachs und bald standen die Wanderer vor der weit geöffneten Tür zur ehemaligen Dorfkirche von Breitenbach, wo sie Pfarrer Grumbach von Kirchzell begrüßte. Der Pfarrer erzählte von dem kleinen, von den Amorbacher Mönchen gegründeten Dorf und von der erst im 18. Jahrhundert errichteten, dem hl. Wendelin geweihten Kirche, die schon immer der Pfarrei Kirchzell unterstand. Aus den Worten Pfarrer Grumbachs konnte man den Eifer heraushören, mit dem er und viele andere an die dringend nötige Restaurierung der Kirche gegangen waren, und den Stolz mit dem er das wohl gelungene Ergebnis der Anstrengungen den Besuchern vorstellte. Mit dem Psalm 23, 1-3: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. …“ verabschiedete der Seelsorger die Wanderer aus dem lieblichen grünen Tal von Breitenbach.

Jetzt musste nur noch die Höhe am Fahrenberg überwunden werden, bevor die Wandergruppe das Ziel Ottorfszell erreichen konnte. Geopark Vorortbegleiter Bernd Fischer bedankte sich bei den Wanderern von „Mudau-aktiv“ für die gemeinsam verbrachte Zeit unterwegs und ihr Interesse an der Geschichte des Fürstlich Leiningischen Wildparks. Unten im „Gabelbachtal“ konnten sich die Wanderer erfrischen und bald schon kamen die Busse und brachten sie wieder hinauf, zurück auf die Odenwaldhöhen um Schloßau und Mudau.

(Bericht Bernd Fischer, Fotos Hermann Römpler)