Schriftgröße: a a a | SitemapDatenschutz | Impressum | Kontakt
Seite drucken

"Erntedank - Teller oder Tank?" Kreiserntedankfeier in Mudau

Neckar-Odenwald-Kreis ,,Die Erntedankfeier ist kein selbstverständliches Ritual das sich alljährlich wiederholt, sondern der Dank für die Gabe Gottes in freier Natur“.

So der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Theo Schadt zu Beginn der Kreiserntedankfeier im festlich geschmückten Bürgersaal des Mudauer Rathauses unter der tatkräftigen Mitwirkung der Landfrauen, der Landsenioren, des Bauernverbandes und der Mosbacher Landjugend. Den hohen Stellenwert des Kreiserntedankfestes unterstrichen mit ihrer Anwesenheit auch der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, MdL Peter Hauk, Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger als Hausherr, MdL Georg Nelius, MdB a.D. Siegfried Hornung sowie Bürgermeister und Kommunalvertreter der Kreisgemeinden. Ein besonderer Dank von Theo Schadt galt Frau Fitz vom Landratsamt und Andreas Sigmund vom Bauernverband mit ihrem Team für die Vorbereitungen der Veranstaltung und den Landfrauen Mudau mit dem örtlichen Bauernverband für das Ausschmücken der Örtlichkeiten. Auch im vergangenen Jahr sei fast kein Tag vergangen, wo in der Welt von Unwettern durch Hagel, Sturm, Regen oder Trockenheit berichtet wurde, sagte der Kreisbauernverbandsvorsitzende. Trotzdem habe man weltweit eine gute Durchschnittsernte einfahren können. Die Landwirtschaft habe wieder einen anerkannt hohen Stellenwert erreicht und sowohl als Nahrungsmittellieferant als auch im Bereich erneuerbarer Energien werde man in naher Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Die Politik sei daher dringend dazu aufgerufen, die Bürokratie nicht noch weiter zu verschärfen und besonders die Steuerpolitik im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe zu überdenken. Weiter seien die steigenden Betriebsmittelpreise im Energiebereich europaweit anzugleichen, da dies dauerhaft in einer globalen Wirtschaft zu Wettbewerbsverzerrungen führe. Dennoch sollte man mit Zuversicht an die neuen Herausforderungen gehen, jeder einzelne nach den Möglichkeiten und Fähigkeiten, die ihm gegeben sind, sagte Theo Schadt. Als gelungene Symbiose bezeichnete Landrat Dr. Achim Brötel die zeitgleiche Verknüpfung zwischen Kreiserntedankfest und dem Mudauer Bauernmarkt. Zum einen gehe es um möglichst authentische Einblicke in das Leben und Arbeiten in einer modernen, der regionalen Produkten verpflichteten Land- und Forstwirtschaft, um Information, aber auch um Bewusstseinsbildung gerade dafür, dass gute Arbeit auch mit einem fairen Preis entlohnt werden müsse. Gerade bei regionalen Produkten könne man sehen, wie Lebensmittel hergestellt werden und der Verbraucher bräuchte sich dabei keine Gedanken über BSE, Gammelfleisch oder Gammelkäse zu machen. Kritisch setzte sich der Landrat dabei mit Billigwaren aus aller Welt auseinander, deren Herstellungsmethoden teilweise unklar und aufgrund der weiten Transportwege mit hoher Energieverschwendung behaftet seien. Mit der Kreiserntedankfeier wolle man darum auch klarmachen, welchen unverzichtbaren Beitrag die heimische Landwirtschaft zum Erhalt unserer Kulturlandschaft leiste. ,,Deshalb ist der Erwerb regionaler Produkte nicht zuletzt auch Landschaftspflege mit Messer und Gabel“, sagte der Landrat abschließend seines Grußwortes, nicht aber ohne seine weitere Unterstützung für die Anliegen der Landwirtschaft zugesichert zu haben. Den hohen Stellenwert heimischer Produkte und ihre Erzeuger hoben auch Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger und MdL Georg Nelius hervor, ehe Minister Peter Hauk über das Thema ,,Erntedank – Teller oder Tank?“ referierte. Zunächst sei die Frage nicht einfach zu beantworten, vor allem nicht im Zusammenhang mit Erntedank. Denn hier stelle sich die weitere Frage: ,,Kann man für die guten Ernteergebnisse als Landwirt überhaupt noch dankbar sein, wenn die Preise dafür so runter gehen, dass sich die Arbeit wieder nicht lohnt?“. Doch gerade dann dürfe man die globalisierten Märkte nicht vergessen und auch nicht, dass Energie aus der Landwirtschaft schon zu früheren Zeiten gewonnen wurde, sagte der Minister. Nur eben nicht so offensichtlich. Die Landwirtschaft, die in Deutschland erst 15 Prozent Anbaufläche zur Energiegewinnung nutzt, müsse die Chance der Ausnutzung sämtlicher Märkte nutzen, praktisch als Grundabsicherung der Existenz. Denn es stelle sich natürlich die klare Gegenfrage ob es moralisch vertretbar sei, wenn der Bauer für den Doppelzentner Weizen als Lebensmittel noch 8 Euro bekommt, für den energetischen Einsatz jedoch das dreifache. Unter Berücksichtigung dieser Argumente dürfe es nicht heißen ,,Teller oder Tank“ sondern ,,Teller und Tank“. Wie einfach es ein kann, ,,einfach mal danke zu sagen“, demonstrierten in harmonischer Weise die Vorsitzende der Landfrauen des NOK Ingrid Haaß und Helga Horn, bevor die Kreislandjugend die Erntegaben an Orthrud Link und Diana Balles für die Mudauer Kindergärten übergaben. Für eine gekonnte musikalische Umrahmung der Kreiserntedankfeier sorgten Mitglieder der Mudauer Musikschule Rausch, ehe man sich unter der Organisation der Landjugend Mosbach zu einem anschließenden Stehempfang zusammen fand. (L.M.)