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Sommernacht im Walzertakt

Mudau. Die Temperaturen der erhofften „lauen Sommernacht“, die auf Schloß Waldleiningen „im Walzertakt“ angesagt war, ließen zwar zu wünschen übrig, doch dafür wurde es dem sichtlich begeisterten Publikum im idyllischen Schlosshof des Odenwälder Märchenschlosses spätesten bei den ersten Klängen des Kurzpfälzer Johan-Strauß-Orchesters warm ums Herz.

Das 1995 gegründete Ensemble trägt seinen Namen durchaus zu Recht, denn obwohl es ein große musikalische Bandbreite präsentierte, standen doch die Werke des Walzerkönigs im Mittelpunkt des Abends. „Wir haben ihnen nicht nur Walzermelodien und hervorragende Solisten mitgebracht, sondern auch jede Menge Optimismus und schönes Wetter“, kurzweilig moderiert von Orchesterleiter Frank Ringleb mit wirklich bilderbuchhafter „Berliner Schnautze“ eröffnete das (Ferien bedingt) reduzierte Profiorchester unter musikalischer Leitung des Wiener Professors Wolfram Koloseus den Abend mit dem Einzugsmarsch aus dem „Zigeunerbaron“. Unter anderem kamen als reine Orchesterstücke von Johann Straußdie „Annenpolka“, „Hoch lebe Ungarn“ und „An der schönen blauen Donau“, aber auch so Kurioses wie Die Pizi-Daco-Polka neben Stücken wie „Bel Ami“ oder „Ich brauche keine Millionen“ aus dem UFA-Film „Hallo Janine“ zur Aufführung. Und jeder einzelne Musiker – mit dem Dirigenten an der Spitze - verstand nicht nur sein musikalisches Fach aus dem Eff Eff, sondern auch das richtige Quentchen „Show“, das einer Veranstaltung erst die richtige Würze gibt. Das märchenhafte Ambiente des Waldleiniger Schlosshofes tat ein Übriges, um den Erfolg des Abends zu garantieren. „Wer so singen kann, der braucht nicht mehr zu arbeiten“, kündigte Frank Ringleb den Tenor Danilo Tepsa mit der Ausbildung „Master of Voice“ an, und er sollte Recht behalten. Dies stellte der gefragte Konzertsänger mit dem Czardas „Komm Zigan“ und dem Emmerich Kalman-Lied „Grüß mir mein Wien“ ebenso unter Beweis wie in den Duetten „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus dem „Vogelhändler“ oder „Er hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“ aus Franz Lehar’s „Paganini“ mit der wirklich stimmgewaltigen Sopranistin Bettina Eismann. Das überzeugende schauspielerische Talent der überaus erfolgreichen Solistin wurde neben ihrer grandiosen Stimme auch deutlich in der „Russischen Nachtigall“ von Alabief oder der Arie der Adele aus der „Fledermaus“. Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger betonte in Ausführungen zum einen dankbar die gute und harmonische Zusammenarbeit zwischen Gemeinde- und Schloßverwaltung sowie dem Fürstenhaus mit seiner Durchlaucht, Andreas Fürst zu Leiningen, und ihrer Hoheit, Alexandra Fürstin zu Leiningen an der Spitze. „Ich freue mich auf den weiteren Weg, möglichst vielen Menschen den Odenwald, seinen Sommer, seine Schönheiten, seine Menschen und seine Kultur näher zu bringen“, war der zweite Punkt, den das Gemeindeoberhaupt hervor hob. Sein Dank richtete sich an alle, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Fürst Andreas zu Leiningen unterstrich, dass Musik im Hause Leiningen eine große Tradition habe, und nicht nur im ehemaligen Residenzschloss Waldleiningen, sondern auch am derzeitige Familiensitz in Amorbach sehr gepflegt werde. Er dankte der Mudauer Gemeindeverwaltung für die Hauptlast der Organisation und den Mitarbeitern des Schlosses für die adäquaten kulinarischen Köstlichkeiten in den Konzertpausen. Trotz der wenig angenehmen Temperaturen konnte sich das Publikum kaum von den Darbietungen der Künstler trennen und schaffte es mit andauerndem Applaus noch in den Genuss von vier Zugaben zu kommen. Beginnend mit dem Duett „Hab mich lieb“ mit Bettina Eismann und Danilo Tepsa und endend mit dem sehr passenden „Seufzer-Galopp“, wobei Professor Wolfram Koloseus das Seufzen „so ernsthaft“ mit dem Publikum einübte, dass das Gesamtarrangement nahezu aufnahmereif war. (L.M.)