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Neueste Erkenntnisse der römischen Ausgrabungen vorgestellt

Schloßau. Unter dem Motto ,,Auf den Spuren des Titus Manius Magnus“ fanden am vergangenen Sonntag öffentliche Ausgrabungsführungen auf dem „Burggewann“ im Mudauer Ortsteil Schloßau statt. Bereits seit fünf Jahren finden auf diesem Gebietsabschnitt Ausgrabungen statt und so waren neben den Führungen vor Ort durch die Grabungsleiterin Dr. Britta Rabold auch die schönsten Originalfunde aus der römischen Zeit zu sehen.

Auch für das leibliche Wohl der zahlreichen und interessierten Gäste war durch den Verein „Örtliche Geschichte Schloßau/Waldauerbach“ bestens gesorgt. Auf dem Neubaugebiet am Ortsrand von Schloßau siedelten bereits vor mehr als 1900 Jahren die Römer. Seit den Forschungen des Buchener Altertumsvereins und der Reichs-Limeskommission waren das römische Kastell und die Badeanlage auf dem Burggewann recht gut bekannt, wie die Grabungsleiterin ausführte. Allerdings wusste man nichts darüber, wo und wie die Angehörigen der Soldaten, zumeist Handwerker und Händler, lebten und wohnten. Dies änderte sich schlagartig durch die Bauplanungen der Gemeinde Mudau mit Ausweisung eines Neubaugebietes in topographisch hervorragender Lage, die ganz offensichtlich schon die Römer zu schätzen wusste. Die langjährigen Ausgrabungen durch die Archäologische Denkmalpflege am Regierungspräsidium Karlsruhe unter der Leitung von Dr. Brita Rabold im Vorfeld der Bauarbeiten vermitteln inzwischen einen hervorragenden Einblick in die Ausstattung und Infrastruktur eines Kastelldorfes am Odenwaldlimes. Ebenso weiß man jetzt, dass auch vergleichsweise kleine Kastelle (in Schloßau lagen ,,nur“ 120 bis 150 Mann, zeitweilig unter dem Kommando des Titus Manius Magnus, in Scheidental waren es immerhin mindestens 500 Soldaten) eine durch und durch geplante Zivilsiedlung besaßen. Über eine Strecke von etwa 130 Meter konnten rechteckige, dicht an dicht gesetzte Fachwerkhäuser nachgewiesen werden, die einen Hang abwärts Richtung Scheidental führenden, aufwendig gestalteten Straßenzug flankierten. Wie die Häuser selbst wurde auch die Straße mehrmals repariert oder sogar mit einem neuen Belag aus Sandsteinen unterschiedlichster Form versehen. ,,Zumindest einige Häuser waren bereits wieder abgebrochen, und die Soldaten möglicherweise bereits an den vorderen Limes verlegt, als man eine kleine Töpferei einrichtete“, sagte Dr. Britta Rabold. Dies sei sensationell und zeige, dass zumindest einige Römer in Schloßau und wohl generell am Odenwaldlimes blieben. So lasse sich auch das benachbarte römische Heiligtum ,,In den Schneidershecken“ besser einordnen, das erst nach Abzug des Militärs gegen 150 nach Christus entstand. In diese späte Zeitstufe gehörten bislang noch ein großer Pfostenbau als Halle und eine quadratische Darre mit vier Metern Seitenlänge. Solche Trocknungsvorrichtungen traten vermehrt Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus auf, wahrscheinlich als Reaktion auf ein zunehmend feuchteres Klima in der hiesigen Region. Das Kastell Schloßau gehörte zum so genannten Odenwaldlimes, einem Teilstück der römischen Reichsgrenze, das Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus eingerichtet wurde und von Obernburg am Main bis südlich von Bad Wimpfen am Neckar reichte. Diese Nordsüd verlaufende Grenzziehung war über 70 km lang und bestand nach den Worten der Ausgrabungsleiterin ca. 50 Jahre. ,,Aus wissenschaftlicher Sicht betreten wir in mehrfacher Hinsicht durch unsere Ausgrabungen absolutes Neuland, da über die Kastellvici am mittleren Odenwaldlimes bisher nur äußerst wenig bekannt ist“. Die Besiedlungskontinuität bis in das fortgeschrittene 2. Jahrhundert werde darüber hinaus bei den weiteren Auswertungen und Überlegungen eine wichtige Rolle spielen, besonders im Hinblick auf den Limeswachposten ,,In den Schneidershecken“, der um diese Zeit zum Heiligtum umfunktioniert worden war. Zudem habe niemand erahnen können, dass ein kleines Numeruskastell wie Schloßau mit einer solchen Infrastruktur aufwarten kann, betonte Dr. Britta Rabold abschließend. (L.M.)