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Minister Peter Hauk ehrt Elfriede Rögner für Lebenswerk

Mudau. Die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – landläufig als Bundesverdienstkreuz bezeichnet – an Elfriede Rögner aus Mudau nannte Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, eine besondere Ehre und Auszeichnung. Nicht nur, weil diese Medaille relativ selten verliehen werde, sondern vor allem, weil die Laudatio auf die zu Ehrende ungewöhnlich zu nennen sei.

Und ungewöhnlich elitär war sicher auch das Publikum im Bürgersaal des Mudauer Rathauses, das dieser Feierstunde beiwohnte. Neben der Jubilarin selbst und deren Kindern mit Familie begrüßte Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger Minister Peter Hauk, Landrat Dr. Achim Brötel, Kreisrat Herbert Münkel und Kreisrat a.D. Artur Müller, sowie zahlreiche Kommunalpolitiker, darunter Ortsvorsteher Kurt Müller. Des weiteren Pfarrer Andreas Rapp und Pfarrerin Renate Seraphin-Hohmann und unzählige örtliche Vereinsvertreter. Für die würdige musikalische Rahmenbegleitung zeichnete das Querflöten-Trio des Musikverein Mudau mit Anja Henn, Sonja Müller und Katja Strohmer verantwortlich. Wie Minister Peter Hauk weiter informierte, beinhalte die Laudatio nicht die sonst übliche Auflistung von Verdiensten in Kommunalpolitischen Engagement oder Vereinswesen, sondern spreche für ein ganz anderes beispielhaftes Wirken einer Mitbürgerin, dessen Würdigung gleich von drei voneinander unabhängigen Stellen beantragt worden war. Elfriede Rögner wurde am 25. April 1939 in Waldstetten geboren und heiratete am 26. November 1960 den Mudauer Josef Rögner. Zu diesem Zeitpunkt betreute sie bereits ein Jahr lang ihren pflegebedürftigen Vater. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. 1966 verunglückte Josef Rögner bei einem Betriebsunfall mit dem Stapler schwer und blieb ab dem Hals querschnittgelähmt. Die einfachsten Dinge wie Essen und Trinken konnte er nicht mehr selbst bewerkstelligen, sondern war in allen Dingen des täglichen Lebens auf seine Frau angewiesen. Nach heutigen Maßstäben entsprach dies der Pflegestufe III, nämlich einer 24 Stunden-Rund-um-Versorgung. Diese Pflege hatte sich Elfriege Rögner zur Lebensaufgabe gemacht. Und zwar zu einer Zeit, als man weder Pflegeversicherung noch Pflegegeld kannte und die Unfallrente kaum ausreichte bzw. auch noch erstritten werden musste. Einen eigenen Beruf auszuüben oder Hobbies nachzugehen war ihr nicht möglich, zumal sie ja auch noch – praktisch allein erziehend – ihre drei Kinder versorgte. Da blieb keine Zeit für eigenes ehrenamtliches Engagement. Aber sie hat ihrem Ehemann ermöglicht, am öffentlichen Leben teil zu nehmen. Josef Rögner war Ehrenmitglied im Heimat- und Verkehrsverein Mudau, und konnte dessen Werdegang, Dank seiner Frau, weiter hautnah verfolgen. „Die Eheleute Rögner haben es geschafft, ihr schweres Schicksal gemeinsam zu meistern. Nicht abgeschieden in der häuslichen Umgebung, sondern eingebunden in das örtliche Gemeinwesen im Rahmen der gemeinsamen Möglichkeiten,“ betonte Peter Hauk. Er bewunderte dabei die ungewöhnliche Leistung von Elfriede Rögner, die ihr Ja-Wort und den Treueschwur der Ehe ernst genommen und ihren Mann 39 Jahre lang bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr aufopferungsvoll gepflegt hat. „Das ist heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch im ländlichen Raum sind wir keine Oasen intakter Ehen und Familien mehr“. Mit dem Verlesen der Urkunde des Bundespräsidenten verlieh Baden-Württembergs Minister für Ernährung und ländlichen Raum, Peter Hauk, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Elfriede Rögner und schloss seine Ausführungen mit den Worten „wenn es Menschen wie sie nicht gäbe, sähe es in unserer Gesellschaft um einiges schlechter aus.“ Landrat Dr. Brötel schloss sich den Glückwünschen mit einem Vers von Theodor Fontane an: „Es kann die Ehre dieser Welt Dir keine Ehre geben; was Dich in Wahrheit hebt und hält, muss in Dir selber leben“. Er schätze sich glücklich, bei der Würdigung von Elfriede Rögners „Lebenswerk“ dabei sein zu dürfen. Denn eine lebendige Bürgergesellschaft brauche Frauen und Männer wie die Geehrte. Menschen, die nach dem Rat der früheren indischen Premierministerin Indira Gandhi handeln: „Es gibt zwei Sorten von Menschen: Diejenigen, die die Arbeit machen, und diejenigen, die den Ruhm dafür beanspruchen. Versuche zur ersten Gruppe zu gehören. Dort ist das Gerangel weniger schlimm“. Den lobenden Worten seiner Vorredner schloss sich auch Hans Slama als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau an bevor Dr. Rippberger abschließend zum Stehempfang einlud. (L.M.)