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Kirchturmfest in Steinbach

Steinbach. Seit Jahrhunderten Tradition und tagtägliche Gewohnheit für viele Bewohner und Besucher einer Gemeinde im Odenwald, ist der kurze Blick auf den Kirchturm um die aktuelle Zeit zu erfahren oder auch auf den Wetterhahn, um nach den Bauernregeln das kommende Wetter zu erkunden.

Nicht so in der Mudauer Gemeinde Steinbach, wo statt der Ziffernblätter einer Uhr ein Gerüst stand, das Geläut der Glocken fehlte und auch das Schlagwerk der Uhr seit einiger Zeit nicht mehr zu hören war. Um das Mango zu komplettieren, hatte auch noch der Wetterhahn seinen angestammten Platz verlassen so mancher Landwirt vermisste seinen ,,Wetterpropheten“ mehr als einmal. Ein Ort ohne Kirchturm mit all seinen Funktionen ist eben doch um vieles ärmer. Um diese Misere zu beenden beschlossen der Ortschaftsrat mit Ortsvorsteher Georg Moser an der Spitze, die Kirchengemeinde mit Pfarrer Andreas Rapp und dem Pfarrgemeinderat sowie dessen Vorsitzenden Wolfgang Farrenkopf an der Spitze, die politische Gemeinde Mudau, die Abteilungswehr Steinbach und einige beherzte Mitbürger wie der überdurchschnittlich engagierte Franz Handl und zahlreiche Helfern im Hintergrund, die bestehenden Mängel in ehrenamtlicher Arbeit zu beheben. Beredtes Beispiel für das Steinbacher Gemeinschaftsgefühl und die Verwirklichung des Begriffes ,,Ehrenamt“ ist zudem das in direkter Nachbarschaft zur Kirche befindliche Kriegerdenkmal, das ebenfalls mit Freiwilligkeitsleistungen renoviert wurde und nun in neuem Glanz erstrahlt. All diese vorbildlichen Gemeinschaftsleistungen wurden nun deutlich im Rahmen eines zünftigen Kirchturmfestes St. Martin Steinbach mit Festgottesdienst und Festbetrieb. Wie Ortsvorsteher Georg Moser betonte, seien bisher nur drei Ziffernblätter vorhanden gewesen. Diese waren zwar erst im Jahre 1992 erneuert worden, zeigten aber doch schon überdurchschnittlich schwere witterungsbedingte Mängel, normalerweise erst durch den Zahn der Zeit offenkundig. Aus diesem Grund hatten einige Mitglieder der Steinbacher Feuerwehr die Ziffernblätter fachmännisch abmontiert, und Franz Handl restaurierte, bemalte und beschriftete die Ziffernblätter mit dem beeindruckenden Durchmesser von je 160 Zentimetern anschließend in aufwendiger Eigenleistung. Zudem übernahm die Abteilungswehr noch die Kosten für ein viertes Ziffernblatt, was den Kirchturm endlich wieder visuell komplettiert. Das Vorhandensein eines aufwendigen Gerüstes habe die Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten, gerade an der Kirchenuhr, beschleunigt, bemerkte Ortsvorsteher Moser weiter in seinen Ausführungen. Nach dem Festgottesdienst mit Pfarrer Rapp unter musikalischer Rahmengestaltung des Kirchenchors Steinbach und der Trachtenkapelle Mudau, ging Peter Baumbusch als profunder Kenner der Steinbacher Kirchengeschichte auf die Historie und die Bedeutung von Kirchtürmen und ihrer Funktionen ein. Auch der Kirchturm der St. Martinskirche sei in die Jahre gekommen gewesen, so Baumbusch in seinen Erläuterungen, und habe renoviert und saniert werden müssen. Schließlich habe er seit seiner Erbauung den rauen Wetterlagen des Odenwaldes trotzen, 2 Weltkriege überstehen, geänderten Weltanschauungen und wechselnden Modeerscheinungen widerstehen müssen.. ,,Er blieb bis auf den heutigen Tag ein weithin sichtbares Zeichen für die Dörfer Steinbach, Rumpfen und Stürzenhardt“, sagte Peter Baumbusch. Ende des 19. Jahrhunderts lehnten die ehemaligen Bürgerinnen und Bürger aus Rumpfen und Stürzenhardt einen Erweiterungsbau der alten Martinskapelle ab, weil sie aufgrund der tiefen Lage der Kirche das tägliche Läuten bei der Arbeit auf dem Feld nicht hören konnten. 1884 wurde mit 20 gegen vier Stimmen in einer Versammlung der Mitglieder der katholischen Kirchengemeindevertretung ein Neubau beschlossen. Zwischen Schul- und Pfarrhaus in der Steinbacher Ortsmitte fand man den idealen Standort hierfür. Am 26. September 1887 fand die Grundsteinlegung statt und im August 1899 war das Werk glücklich vollendet. Während für Turm und Glocken die Kirchengemeinde zuständig war und noch ist, zeichnete die politische Gemeinde Mudau für die Unterhaltung der Kirchturmuhr nach wie vor verantwortlich, betonte Peter Baumbusch abschließend. Im Rahmen einer Bilder- und Diashow konnten sich die zahlreichen Festbesucher u.a. ein zusätzliches Bild rund um die Kirche machen, den neuen Wetterhahn und das neue Kreuz besichtigen oder sich zu einem Erinnerungsfoto vor die imposanten (160 cm Durchmesser) Ziffernblätter stellen. Neben musikalischen Beiträgen wurden die Besucher auch mittels einer Beamerpräsentation über die baulichen Arbeiten informiert. Der Erlös des gesamten, sehr kurzweiligen Festes für alle Altersklassen trug ausschließlich zur Finanzierung der Kirchturmsanierung bei. (L.M.)