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KaGeMuWa zog alle Register des Frohsinns

Mudau. Es war ein ungemütlicher Winterabend. Schneeberge säumten die Straßen und Gassen der Gemeinde. Glatteisbildung machte das Autofahren nicht gerade zum Vergnügen. Und dennoch war wohl noch keine Freitagsprunksitzung in der Mudauer Odenwaldhalle so gut besucht gewesen wie die jüngste. „Ausverkauft!“ – Und das vollkommen zu Recht - wie man rund fünf Stunden später ohne Einschränkung feststellen konnte.

Die „Mudemer Wassersucher“ waren im Jahr eins nach Präsident E-Maier moderationsmäßig vollkommen neue Wege gegangen, und zwar mit großem Erfolg. Allen war klar, dass man das Original Maier nicht kopieren kann. Doch mit dem neuen Präsidententrio Ralf Lorenz (ernst und zurückhaltend), Helmut Korger jun. (der Schaffer im grauen Kittel) und Uwe Lenz (elegant verschmitzt) hat man ein Team gewonnen, das perfekt aufeinander eingespielt ist, sich gegenseitig „die Bälle zuwirft“, und so einen (Lach-)Treffer nach dem anderen landete. So schenkten sie sich eine Einzelpersonenbegrüßung und hießen dafür „alles, was Rang und Namen hat“ willkommen. Besonders jedoch die närrischen Abordnungen aus Hettingen, Walldürn, Hainstadt, Limbach und Amorbach sowie aus den Ortsteilen die Schernemer Eckenarre, die Dumbocher Turmspatze, die Schlossemer Bajasse, die Langenelzer Elzhepfer und die Reischebocher Turmwächter. Stolz präsentierten die Präsidenten auch ihr Prinzenpaar 2006, Ihre Lieblichkeit Prinzessin Tatjana I. (Grimm-Wellm) und seine Tollität Prinz Markus II. (Wellm). Die Majestäten lehrten ihr Narrenvolk zunächst, wie es mit Klatschen, Raketen und La Olas aktiv zum Gelingen einer guten Sitzung beitragen kann, bevor sie ihr Regierungsprogramm und sich selbst vorstellten. Danach werden Parksünder im Ortskern aufs härteste bestraft und gleichzeitig Tourismus und TSV nach vorne gebracht. Zwar gab Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger die Schlüsselgewalt grundsätzlich ungern aus der Hand, aber er sprach den Majestäten sein vollstes Vertrauen aus. Schließlich sind ihre Regierungspläne ganz in seinem Sinne. Nachdem die „Machtverhältnisse“ geklärt waren, begann mit dem Schautanz „Space-Girls“ von der KaGeMuWa-Minigarde ein Programm, das Punkt für Punkt ein Renner war. Die tänzerischen Darbietungen waren durchweg peppig und wahre Augenweiden. Da begeisterten die zwölf Space-Girls in ihren futuristischen Kostümen das Narrenvolk ebenso wie die Mädels der Prinzengarde mit ihrem Schautanz „Dirty Dancing“ aus der Cadillaczeit und die adretten Damen der Wassersuchergarde in ihren schmucken Uniformen und dem zackigen Gardetanz. Da war kein Unterschied in den Beifallstürmen zum gewitzten Schautanz „Spielsammlung“ der gemischten Schautanzguppe der Wassersucher bzw. zu dem gewohnt einfallsreichen Schautanz des TSC Walldürn, „Himmel und Hölle“. Nur der Mariechentanz übertrumpfte die anderen etwas, und das muß auch so sein. Für Tanzmariechen Melissa Schell nahm Präsident Helmut Korger jun. sogar extra die Maße der Bühne. Denn der kleine große Wirbelwind hat sich binnen kürzester Zeit in die Herzen der Zuschauer getanzt und gehört im 2. Jahr ihrer Tanzkarriere schon zu den Großen unter den Kleinen, selbst die Präsidenten gingen vor ihr auf die Knie. Trainiert wird Melissa von Maria Bangert, betreut von Mutter Sonja Schell. Das Jahresmotto „Jede(r) hot draa zu knab(p)b(p)ern“ stellte Präsident Ralf Lorenz näher vor. Er selbst hatte zu knab(p)b(p)ern am Bundestagswahlergebnis, seinen vielen Siegern und der großen Koalition, am Imageverlust von Stoiber, den unverhältnismäßig steigenden Energiekosten, vor allem „wenn eine Biogasanlage allein mit dem Mist, den manche Politiker von sich geben, laufen würde. Und die Saudis ihr Öl dann allein aussaufen könnten“. Schwer verdaulich sind für ihn unter anderem auch die explodierenden Kosten der Fußball-WM. Nicht so sehr in die Ferne schweifte „Amtsblattleser“ Jan Breunig. Ihn beschäftigte neben dem regen zweibeinigen Wildwechsel im Neuhof unter anderem die Terminüberschneidung Römerfest/Musikparade, die unrühmlichen Ereignisse am Laurentiusmarkt und die Radfahrsucht des Pfarrers. Vermutlich konnte nichts im Ortsgeschehen seinen Augen und Ohren verborgen bleiben. Ganz andere Probleme beschäftigten den „Zeitgenossen“ Klaus Scholl von den Schlossemer Bajassen. Denn obwohl der Zahn der Zeit schon an ihm nagt, weiß er genau, wann ein – medienlastiger - Jugendlicher von heute gesellschaftlich erledigt ist. „Liebe Eltern, für die Rente müssen wir die Anzahl der Kinder erhöhen, und nicht ihr Gewicht“. Zu seiner Zeit waren Dick und Doof im Fernsehen zu sehen, heute sitzen sie davor. Ein weiteres Problem war der unvermeidliche Besuch bei IKEA. Dank Ehefrau Scholl, die dem Wunsch ihres Mannes, ihn im Kinderland abzugeben, nicht entsprochen hatte, wurde dieser Besuch auch für das Mudauer Narrenvolk ein unvergleichliches Erlebnis. Wohl kein zweiter schafft es wie Klaus Scholl, ausschließlich bewaffnet mit einer Flasche Wasser, einem Stuhl und einer begnadeten Mimik, so viele gezielte Treffer zu landen. Wo drei Präsidenten den Vorsitz haben, kann auch ein vierter nicht schaden – dachte sich Gerald Hemberger und trat als „Präsidentenbewerber“ in die Bütt. Als echter Mudemer hat er einschlägige Faschnachtserfahrung und als ernst zu nehmender Bewerber, brachte er seine ausgefeilten Kenntnisse über das Ortsgeschehen und die große Politik zu Gehör. Da erfuhr man von Weihnachtsbeleuchtungen, die für Fehlleitungen so mancher Fluglinie verantwortlich waren, ebenso wie von den Hintergründen zu Schröders Gas-Job, und dass von diesem Kanzler sonst nur vier Ehefrauen und ein Dosenpfand geblieben sind. Und schließlich gelangt Gerald Hemberger zu der Erkenntnis, seine Bewerbung zurückzuziehen, denn das amtierende Präsidententrio sei so gut - „einen 4. brauchts hier nicht“. Und was bis jetzt noch nicht aufgedeckt worden war, das zerrten die „Nachtkrabben“ ans Licht der Öffentlichkeit. Mario Gaibler, Jürgen Kieser, Ralf Lorenz, Andre Mechler, Richard Neubrandt, Reinhold Ohmert, Marco Scheiwein und Ralf Späth offenbarten in Sketchen und Gesangseinlagen ihre Bedenken zum neuen Probenlokal des Gesangvereins, ihr Entsetzen über das Römerfest und „die Henn die Musikparade abgesagt“ und ihr Unverständnis darüber, dass sich das Gemeindeoberhaupt besser mit den Preußen als dem Baier versteht. Krönender Abschluß des zwerchfelllastigen Abends bildeten die „Singenden Mülltonnen“ aus der Aktion Eichhörnchen. Bei dem gelungenen Debüt von Ivonne Dambach, Bettina Korger, Christine Lorenz, Silke Münch und Andrea Thier blieb wirklich kein Auge mehr trocken. Die Aufforderung „Ralli mach no mol en Tusch“ war nur als Ausdruck der Begeisterung zu werten, denn eine solche Animation hatte die Odenwälder Trachtenkapelle unter musikalischer Leitung von Ralph Müller nicht nötig. Sie legten einen gewohnt guten Job hin und waren nicht nur nach Ansicht der neuen Präsidenten „die beste Sitzungskapelle der Welt“.